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Das Zelt · 1924-05-01 · Heft 5 (Mai 1924) · p. Seite 175

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Zelt
Volume
1 (1924)
Issue
Heft 5 (Mai 1924)
Date
1924-05-01
Page
Seite 175 (sequence 30)
Language
German
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JOSSET TRI BAR=GOEL: Du nimmst mirs nicht übel, Freund, wenn ich dich allein lassen muß. TRUMPELDOR: Keineswegs! Unter vier Augen läßt sichs am offenherzigsten reden. (Bar=GoeI ab.) 10. AUFTRITT (Jossef Trumpeldor. Schech 'Abd er ra'uf im Waffenschmuck.) SCHECH: Saläm, Hauptmann. TRUMPELDOR: Schalom! Wie feierlich dein Gruß klingt, Schech. Und so im Waffenschmuck? SCHECH: Solchen Schmuck nötigten mir die LImstände auf. TRUMPELDOR: Welche Umstände denn? SCHECH: Siehst du den mächtigen Hermon drüben? TRUMPELDOR: Den seh ich mit geschlossenen Augen auch. SCHECH: Seit ich hier den letzten Besuch abgestattet, hat er sich gänzlich verändert. Damals schien er so stolz in den Himmel zu ragen. Es glitzerte seines Hauptes Schnee im herrlichsten Farbenschmuck der Sonne entgegen. Heute jedoch scheint er einen mächtigen Turban aufgesetzt zu haben. Meinst du nicht, daß das von übler Vorbedeutung ist? TRUMPELDOR: Gewiß, insofern es tüchtige Regenschauer setzen wird. (Ruft in die Szene:) Bringe uns Stühle, Ajala, und eine Wasserpfeife. SCHECH: Ich danke, ich wünsche mich nicht lange aufzuhalten. Meine Botschaft ist kurz. TRUMPELDOR (freundlich): Ich bin begierig, sie zu hören, doch nicht in diesem trodtenen Tone, mein Freund. Einst warst du lebendiger als eine Biene, wenn du unter uns weiltest. Und mein Vorname klang so traulich aus deinem Munde. Was hat dich so plötzlich verwandelt, o Schech? AJALA (zwei Stühle bringend): Schalom! Schech! SCHECH: Schalom dir! (Beide setzen sich. Ajala ab.) SCHECH: Ich bin wegen der Vorfälle gekommen, Hauptmann, die sich in den letzten Tagen ereignet haben. TRUMPELDOR: Und die wir Alle bedauern. Allein ein rechtschaffener Mensch sucht sich von dem wahren Sachverhalt zu überzeugen, ehe er einen entscheidenden Schritt wagt, der Verhängnis* volle Folgen nach sich ziehen könnte. SCHECH; Aus diesem Grunde bin ich ja gekommen. Der Araber ist in seiner Zuvor* kommenheit rühmlich bekannt. Ehre des Gastes ist seine Ehre, und eher opfert er das Leben für seinen Gast, als daß diesem ein Haar gekrümmt würde. TRUMPELDOR: Du wirst mir schwerlich etwas Neues über dein ritterliches Volk erzählen können. Nur einen kleinen Irrtum möchte ich berichtigen, um etwaigen Unerquicklichkeiten vorzubeugen. Mir ist, als ob du Gast und Gastfreundschaft mit Nachdruck betontest. Hoffentlich wirst du uns nicht für deine Gäste halten, solange wir auf unserem eigenen Grund und Boden stehen. SCHECH: Und doch ward ihr lange Zeit meine Gäste. — TRUMPELDOR: Das leugne ich nicht. Doch nur solange, bis wir unser eigenes Dach errichtet hatten. Seitdem sind wir Nachbarn geworden, Schech. Weißt du diese Tatsache zu würdigen? SCHECH: Der nahe Nachbar ist dem fernen Bruder vorzuziehen, heißt ein Sprichwort bei uns. <Ajala bringt auf einem Brett zwei Täßchen Mokka und eine Wasserpfeife.) (Kleine Pause, in der der Kaffee getrunken wird.) SCHECH (reicht das Täßchen zurück): Dank für die Erquickung. Ich muß anerkennen, daß ihr im Zubereiten des Mokka uns keineswegs nachsteht. AJALA: Ihr kocht ihn doch stärker als wir. SCHECH (mitabgewandtem Gesicht): Zuweilen. Allein wir trinken ihn bitter, ihr ihn aber immer mit Zucker. AJALA (ab). TRUMPELDOR: Hoffentlich wird dir unser Tabak besser gefallen, Schech. Versuch ihn. SCHECH (ergreift das Mundstück): Nicht eher, Hauptmann, als auch das letzte Mißverständnis aufgeklärt ist. Dir ist wohl bewußt, daß wir zwei Schwerverwundete zu beklagen haben. TRUMPELDOR: Wohl, Schech, aber all der Jammer wäre nicht über uns gekommen, wenn du bei Uns geblieben wärest. SCHECH: Mit anderen Worten, bin ich der Urheber all des LInheils. TRUMPELDOR: Versteh mich recht. In" edlem Sinne, ja. Laß dirs an einem Beispiel erklären. Gesetzt den Fall, Schech, du beabsichtigst einmal, ein entfernt liegendes Stück Land zu besichtigen. — Was würdest du tun, wenn du unbemerkt von einer Horde umzingelt wirst, die mit vorgehaltenen Waffen dich aufforderte, alles, was du am Leibe hast, herzugeben? SCHECH: Ich würde mich wehren. TRUMPELDOR: Wenn aber jeder Widerstand vergeblich wäre, da du unbewaffnet bist? SCHECH: Ich gehe nie ohne Waffen.aus. TRUMPELDOR: Wenn man sich aber in den Leuten geirrt hat? Ist solche LInvorsichtigkeit nicht menschlich? SCHECH: Was ist euch begegnet? TRUMPELDOR: Wir hatten uns ahnungslos in jene Gegend begeben. Siehst du jenen Fleck dunkelroter Erde? SCHECH: Es ist gar nicht so weit von hier. TRUMPELDOR: Grund genug, daß.man ganz unbewaffnet die Ernte heimholen geht. Plötzlich sahen wir uns umzingelt. Geladene Feuerwaffen waren auf uns gerichtet, während darüber hinweg fürchterliche Tigerblicke üns.anglotzten. Jeder Widerstand war aussichtslos. Und. da wir uns aufs Bitten nicht verstehen, wurden wir alle splitternackt ausgezogen. Alles habe ich erlebt, Schech, — wie oft befand ich mich mitten im Würgen der blutigen Schlacht,- ich habe gesehen, wie man einander hassen und befehden kann — 175

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