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Das Zelt · 1924-05-01 · Heft 5 (Mai 1924) · p. Seite 171

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Zelt
Volume
1 (1924)
Issue
Heft 5 (Mai 1924)
Date
1924-05-01
Page
Seite 171 (sequence 26)
Language
German
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JOSSET TRUMPELDOR 3. AUFTRITT (Greiser Wanderer zu den Vorigen.) WANDERER (für sich): Wie sie sich eilig vor mir zurückziehen! Wohl ein Maßstab für mein abschreckendes Äußere. (Laut) Schalom, Töchter Zions. BEIDE: Schalom Väterchen. AJALA: Woher des Weges? WANDERER: Aus dem mitternächtigen Lande der Verfluchten Gottes. SULAM1TH: Gibt es auch ein solches Land? Wie trostlos müssen seine Insassen sein. WANDERER: Unselig wie ich. Sie suchen den Tod und finden ihn nicht. SULAMITH: Du sprichst vom Tode. — O ruf ihn nicht, den Feind alles Lebens! WANDERER (lacht wie wahnsinnig): Nur mich flieht er, wie ein Hirsch den Jäger. Welch erbärmlicher Schuft ist er geworden, vor dem die Menschheit bisher gezittert hat. (Die Mädchen blicken sich gegenseitig an.) WANDERER: Unser Erzvater Jakob hat mit dem Engel gerungen. Jeschua ben nun hat die Sonne stille stehen lassen. Der Prophet vom Karmel ist gen Himmel aufgefahren. Sein Nach* folger Elisa hat das Eisen schwimmen lassen. Und Jeschua ben Miriam hat den Tod im Zweikampf bezwungen. Nur mir ist es bisher nicht gelungen, den verhaßten Fürsten der Gräber zu einem letzten Handgemenge zu zwingen. So irre ich umher, von den heulenden Winden des Schicksals wie von kläffender Meute verfolgt. Weder im Lande zu Mitternacht noch im Reiche zu Mittag konnte ich finden, wonach meine Seele seit Jahrtausenden sich sehnt. AJALA: O, wie mir vor ihm graut. Gebärdet er sich nicht wie ein Wahnsinniger? SULAMITH: Wie wird euch, Alter? Euch tragen die Gedanken über die Schwelle zum Jenseits, wie der Wind die Wolken über das große Meer. Tretet ein und labt euch. Sicher bedürft ihr der Ruhe. WANDERER: Nur der Ruhe der Gräber! Es ist die einzige Ruhe, nach der ich mit Inbrunst verlange. AJALA: Wer spricht vom Tode in diesem Land voll Sonnenschein? WANDERER: So dachte ich auch, als ich so jung war wie du. Nun aber blick ich der Sonne ins sengende Auge und doch tut mir ihr Flammenstrahl nichts. Denn hoch im Norden seh ich finsteres Gewölk, das ihre Herrschaft bedroht. (Wendet das Gesicht der Sonne zu.) SULAMITH: Nicht doch, Alter. So zwingt ihr uns, euch für einen Narren zu halten. Wendet euer Gesicht von der Sonne. WANDERER: O, daß sie mich zu Tode küßte! Wie tut es mir wohl, ihr ins Auge zu sehen. SULAMITH (hält ihm die Hände über die Augen): Genug des Scherzes, der traurig enden könnte. (Deborah tritt auf.) 4. AUFTRITT (Deborah zu den Vorigen.) DEBORAH: O, daß ich ihn stets im Schlafe anträfe, um mich verstohlen an seiner Waffe zu versuchen, wie der neugierige Knabe am Werkzeug seines abwesenden Vaters. AJALA: Ei, sieh doch Sulamith, weißt du denn auch, was Deborah in der Hand hält? J. LIPCHIT2 GUITARRESPIELER 171

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