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Das Zelt · 1924-05-01 · Heft 5 (Mai 1924) · p. Seite 170

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Zelt
Volume
1 (1924)
Issue
Heft 5 (Mai 1924)
Date
1924-05-01
Page
Seite 170 (sequence 25)
Language
German
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JOSSE? TRI 1. AKT TEI^CHAJ (Links und rechts vom Schauspieler.) Rechts der Eingang in das einzige große Gebäude der Ansiedlung. Links Olivenbäume. Im Hintergrund Fernsicht auf den Hermon. Früher Morgen. i. AUFTRITT (Schmuel mit einem großen Korb auf der Bank neben dem Eingang sitzend. Rochebeth unter einem OÜvenbaum.) SCHMUEL: O, wie die Morgenluft sich scharf anläßt, als wehte sie unmittelbar vom Nordpol . her. iln die Szene rufend.) Das Warten um diese Stunde ist wahrlich kein Vergnügen, Ajala. AJÄLA (von innen): Ich komme schon. SCHMUEL: Wie der Hermon verschämt tut und .sich in Nebel hüllt! ROCHEBETH; Das tut er eher aus Zorn als aus Scham. Sicherlich ist ein Gewitter im Anzug, Schmuel. SCHMUEL: Ein Gewitter, sagst Du? Bei diesem klären Himmel? Warf, bis die Sonne aufgegangen, dann ist der ganze Spuk hin weggeblasen, noch ehe man sich die Augen ausgerieben hat. Ich habe noch kein Gewitter hierzulande erlebt. ROCHEBETH: Sie melden sich selten, aber um so schrecklicher wüten sie. AJALA (auftretend): Hier sind zehn Brote. Ist das genug? SCHMUEL: Meinetwegen solls genug sein. Aber Unserer sind Viele, und der Ofen dürfte so rasch nicht wiederhergestellt sein. Gib noch fünf dazu. AJALA: Recht gern. (Ab.) ROCHEBETH: Du bist ein Nimmersatt. Glaubst du, daß sies im Überfluß haben? SCHMUEL: Ich will mir den zweiten Bittgang ersparen. Soll doch alles zurückerstattet werden. Dafür bürge ich. AJALA (kommt mit Brot): Es bedarf dessen wahrhaftig nicht. Wir haben seit langem die Gepflogenheit, mehr zu bädten, als wir brauchen, um den vorsprechenden Beduinen die nötige Wegzehrung zu geben. SCHMUEL: Wohl euch, daß ihr Gutes tun könnt. Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb. Wir jedoch können uns kaum ersättigen. ROCHEBETH: Kein Wunder,, solange wir einen Schmuel unter uns haben, der das Brot ebenso gierig zu bearbeiten versteht wie sein Leder. SCHMUEL: Und welches ist denn der Unterschied zwischen beiden? Im Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brot essen, heißt es in der Schrift. Glaubst du etwa, daß ich mein Leder ohne den Tau meiner Stirne bearbeiten könnte? AJALA: Jetzt sprudelt der Schusterdenker von Weisheit über. Gesegne euch Gott das Brot. Geht, daß ihr zur rechten Zeit erscheint, sonst summen euch die Bienen um die Ohren. SCHMUEL: Da steht ja ihre Königin wie ein Eseltreiber mir zur Seite, um mich immer wieder an meine Pflicht zu erinnern, nach dem arabischen Sprichwort: »Der Esel trägt sich zu Tode, das Pferd frißt Hafer, und der Effendi besteigt es.« ROCHEBETH: Du bist heut wohl mit dem linken Fuße aufgestanden. (Während beide Mädchen in ein schallendes Gelächter ausbrechen, hebt Schmuel den Korb hoch und geht schelmisch grüßend ab. Rochebeth folgt nach. Die Strahlen deraufgehen^ den Sonne überfluten die Szene.) 2. AUFTRITT (Ajala. Im Hintergrund tritt Deborah mit vollen Milchkannen auf. Sulamith tritt ihr aus dem Gebäude entgegen.) SULAMITH: Ei, so geschäftig am frühen Morgen, Deborah? DEBORAH: Alle Hände voll zu tun. Die Buntscheckige allein hat der Gefäße zwei gefüllt. AJALA: Gibt es etwas Neues? DEBORAH: Vom jüngsten Überfall habt ihr wohl gehört? AJALA: Schon wieder ein Überfall? SULAMITH: Wo hat er stattgefunden? DEBORAH: In der Nähe von Mahanajim. Ein einzelner Arbeiter ist überfallen worden. Es ist ihm aber nichts geschehen, da er rechtzeitig die Flucht ergreifen konnte. SULAMITH: Unglaublich, daß die Feindseligkeiten derart zugenommen haben, seitdem der junge Schech ohne jeden Abschied verschwunden ist. AJALA: Was hat ihn so plötzlich weggetrieben? SULAMITH: Wer das zu sagen wüßte! DEBORAH: Sag, Ajala, ist mein Bruder noch immer nicht zurüdcgekehrt? AJALAH: Du findest ihn oben im kleinen Schlafraum liegen. DEBORAH: Und das sagst du mir erst jetzt? (Ab mit den Kannen.) SULAMITH: Was fehlt ihr? AJALA: Weiß ichs? Nie wird der Schech in ihrer Gegenwart erwähnt, da sie nicht rot wie eine Anemone wird. SULAMITH: Seltsam, sonst kümmerte sie sich um Niemanden. AJALA: Ja, sonst war sie munter und fröhlich wie ein Kind. Heute kann sie stundenlang sitzen, ohne ein Wort über die Lippen zu bringen, und grübeln. SULAMITH: Kein gutes Zeichen, in der Tat. Entweder ist sie verliebt oder lebensüberdrüssig. AJALA: Vielleicht beides zugleich. Doch sieh, wer kommt dort? SULAMITH: Ein alter Mann. Wird wohl der Rast und Erquidamg bedürfen. Laß uns ihm und uns das Frühstück bereiten. AJALA: Was willst du denn tun? Alles ist ja bereit. Es fehlen nur die Gäste. 170

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