Das Zelt
- Journal
- Das Zelt
- Volume
- 1 (1924)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1924)
- Date
- 1924-05-01
- Page
- Seite 169 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3139318-3133277-3133282--221-3133525- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
JOSSET TRUMPELDOR das Bild primitiven Lebens mit seinen Hirtenreizen und Stammesfehden, mit seinem Hassen und Lieben und Feiern Tiefe schöpft aus der langen tragischen Ven» gangenheit, deren Symbol der wandernde Jude ist und deren Wiederbeschwörung dem Drama ebenso einen epischen wie einen symbolischen Charakter gibt. Photon graphische Genauigkeit ist nicht ausreichend, um die volle Wahrheit der Situation aufzuzeigen. Und so gleicht, durch unseren Dramatiker gestaltet, der Tod Jossef Trumpeldors, begleitet von Tönen unsichtbarer Harfen und Chöre, frühitalienischen Gemälden der Märtyrer=Apotheosen. Es ist ein Schauspiel, voll von Bewegung und Gestalten, Streifzügen und Waffenlärm, das die Mittel einer großen Bühne verlangen und eine malerische Aufführung reichlich lohnen würde. Daß es schließlich ins Hebräische übersetzt, auf der Bühne von Jerusalem aufgeführt, ebenso wie in der deutschen Urfassung gespielt werden wird, ist eine sichere Prophet zeiung. Inzwischen mögen wir diese »beau geste« grüßen, die von einem Araber kommt, angesichts der Feindseligkeit Vieler seiner Rasse gegen den jüdischen Wiederaufbau. Es ist seltsam, daß ein Volk mit so starker Einbildungs^ kraft wie das arabische blind sein soll gegenüber der Einzigartigkeit der jüdischen Tragödie und der Einzig» artigkeit der dichterischen Schönheit eines Volkstums, das der Erinnerung an seine palästinensische Heimat anhangt, während ringsum alles Andere in der Geschichte sich von Grund auf gewandelt hat. 'Asis Dornet hat, indem er sogar einen Araber im Dienst der jüdisch nationalen Sache sterben läßt, sein Volk gelöst von dem Vorwurf des Mangels an Großherzigkeit. Dies ist nicht der Ort, um die politische Seite der Frage aufzurollen. Es genügt auszusprechen, daß die arabische Renaissance keine stärkeren Mitarbeiter finden würde als die Juden, vorausgesetzt, daß sie Seite an Seite und nicht in geographischer Kollision stattfindet. Angesichts der gewaltigen Landstrecken, die für das arabische Aufblühen verfügbar sind, wird in der Tat der jüdische Anspruch zu geringfügig, um ernsten Wider~ stand hervorzurufen. Zu einem Zeitpunkt, wo die Stimmung der Welt idealistisch war und es verkündet wurde, daß Friede und Gerechtigkeit für alle Völker dem Weltkrieg folgen werde, gestattete ich mir die Anregung, daß mittelst freundschaftlicher Verständigung in Palästina für das einzige heimatlose Volk auf Erden Raum gefunden werden solle, so daß dieser Wanderer, gleichgestellt mit dem befreiten Araber, wieder eintreten möge in den Kreis der Nationen. Die Fassung meiner Worte, die die Araber erreichte, war so sehr eine Karikatur meines Vorschlages, wie der gegenwärtige Zustand der Welt eine Karikatur der Grundsätze Wilsons ist. Aber indem er mir die Ehre erwies, seinem Werk dies Vorwort vorauszuschicken, hat wenigstens ein Araber gezeigt, daß er mich nicht mißverstanden hat. ISRAEL ZANGWILL <Aus dem englischen Manuskript übersetzt von Leo Herrmann.) PERSONEN: JOSSEF TRUMPELDOR BAR GOEL: Ansiedler aus TeUChaj SCHMUEL: Ansiedler aus Kfar Gileadi AHARON: ebenfalls aus Kfar Gileadi FARKAS: ungarischer Chaluz, ein Christ EIN CHALUZ ERSTER UND ZWEITER SCHACHSPIELER ZUSCHAUER: Ansiedler aus Kfar Gileadi 'ABD ER RAUF: junger Beduinenschech FREMDER OFFIZIER LABIB: sein Knecht SULAMITH: Trumpeldors Braut AJALA: junge Köchin aus Tel=Chaj DEBORAH: Bar Goels Schwester ROCHEBETH: Köchin aus Kfar Gileadi GREISER WANDERER CHALUZIM DREI KNABEN zwischen zehn und zwölf Jahren DREI MÄDCHEN, zehn Jahre und darunter BEDUINEN ZEIT: 1919. Die Handlung dauert einen Tag. ORT: Nordgaliläa. Erster und dritter Akt in TeUChaj, der zweite im benachbarten Kfar Gileadi. 169