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Das Zelt · 1924-05-01 · Heft 5 (Mai 1924) · p. Seite 168

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Zelt
Volume
1 (1924)
Issue
Heft 5 (Mai 1924)
Date
1924-05-01
Page
Seite 168 (sequence 23)
Language
German
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JOSSEF TRUMPELDOR TRAUERSPIEL IN DREI AKTEN VON 'ASIS DOMET JOSEF HAHN In Max Nordaus glänzendem Roman »Morganatisch« bemerkt ein philosophischer Verteidiger des Systems des in sich geschlossenen Kreises des Könige tums, daß der Hauber dieser Institution in ihrem mythischen Charakter liegt. Da der Ursprung der Herrenklasse tief in den Nebe! der Geschichte eingehüllt ist, würde, wenn Außenstehende in sie ehelichen Zutritt erhielten, Wesen, deren bloße Menschlich* keit grell zutage liegt, der um sie spielende Heiligenschein in den Augen der Völker getrübt, wenn nicht zerstört werden. Ebenso ist es mit der GeschMite der Völker selbst: auch ihre Ursprüngesind ins Dunkel gerückt und durch den Ablauf der Zeit an sich sd>on geheiligt. So ist die'große Mehrheit der existieren» den Völker in Schleier und Heiligkeit gehüllt: selbst das jüngste Volk, das der Neuseeländer, ist Gedächtnis der lebenden Generation, ist die Aufmerksamkeit der Welt den Werden zugewendet, so daß in einer Periode, da sie sich zu einem anerkannten Gebilde entwickelt haben, der Zauber der Vergangenheit Zeit gehabt hat, sie zu umfangen, und so ist ihr heroisches Zeitalter bereit zur Verwandlung in Dichtung und Drama. Die Juden aber, dieses Paradox unter den Völkern — sie leben ihr heroisches Zeitalter vor unseren eigenen Augen. Denn mit der Abnormität, die mit jedem Aspekt ihres Daseins verbunden ist, bauen diese Sprossen eines alten, eines nahezu überalten Stammes ein Volk, frisch und jung im Werden. Es ist nicht ein Volk im Wieder-Werden, wenn Wieder*Werden nur Wieder^ Schaffung des Alten bedeutet. Denn in diesem Sinne wenigstens wiederholt sich die Geschichte niemals. Die nationale Wesenheit, die um ihre Auferstehung in Palästina ringt, wird, wenn sie auftaucht aus den Fähr^ nissen, die sie umlagern, sehr verschieden sein von jener, die vor neunzehn Jahrhunderten ausgetrieben wurde aus ihrem Heimatland. Und dieser Prozeß der Schöpfung eines Volkes, anstatt an uns in der magischen Vollreife des historischen Mythos heranzutreten, begibt sich hier vor unseren Augen mit der ganzen Roheit zeitgenössischer Wirklichkeit. Und doch hat er schon TRUMPELDOR älter als das Selten aber Völkern irn seinen Dichter und Dramatiker gefunden. Allerdings nicht in einem Juden. Und vielleicht Ist das ganz gut. Wir sind schon zu gelenk, unsere Taten zu singen, statt sie durchzuführen. Eine alte und überbewußte Zucht, sind wir immer der Gefahr ausgesetzt, unser Handeln in Ästhetik umzuwandeln, wie wir unser altes bäuerliches Tun in Lehre und Gebet gewandelt haben, Jossef Trumpeldor war ein Pionier des neuen Palästina, der aus den Kriegen seiner russischen Heimat mit Auszeichnung für Tapferkeit und dem Verlust eines Armes hervorgegangen ist, und er starb im April io,zo bei der Verteidig gung der jüdischen Kolonie Kfar Gilead gegen einen arabischen Anfall. Wenngleich manche unserer Dichter erschauern müssten ob des Berichtes seiner letzten Worte — »es ist gut, für sein Land zu sterben« ~ und wenngleich ihm zweifellos bestimmt ist im Drama die Unsterblichkeit von der Hand seiner hebräisdien Volksgenossen zu finden, so ist es doch das Beste, daß wenigstens In diesem Entwicklungsakte die neue jüdische Legende, die durch ihn geschaffen wurde, in die Literatur übertragen wurde durch den Diditer eines anderen Volkes* Was noch erhebender und überraschender ist: dieser Dichter ist ein Araber, ein Araber, geschult in all der Weisheit des Westens und getränkt mit mehr als christlicher Brüderlichkeit,- ein Araber, der in deutscher Sprache schreibt und doch frei ist von der deutschen Judäophobie. Ich gebrauche nicht den geläufigen Begriff Antisemitismus, denn er ist schwerlich ein Begriff, der auf die Einwohner von Palästina angewendet werden kann, außer wenn er In der Tat sorgsam auf die eng=* lischen Beamten beschränkt bleibt, da die Majoritätsrasse so semitisch ist wie die Minorität. Als Araber hat 'Asis Dornet den Ruf des semitischen Blutes gefühlt,- als Dichter den Heroismus der neuen hebräischen Legende und den Zauber der alten/ als Palästinenser den Ruf der Erde und des Himmels. Alle diese Elemente ver^ schmelzen in seinem bemerkenswerten Spiel, in dem zum erstenmal in der Geschichte der Dichtkunst den Chaluzim poetische Gerechtigkeit entboten wird/ in dem 168

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