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Das Zelt · 1924-05-01 · Heft 5 (Mai 1924) · p. Seite 167

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Zelt
Volume
1 (1924)
Issue
Heft 5 (Mai 1924)
Date
1924-05-01
Page
Seite 167 (sequence 22)
Language
German
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DIEVISIONABRAHAMS VON EDMOND FLEG Im Lande LIr Kasdim, in der Ebene der Flüsse, legte sich Abraham bei seiner Herde zur Ruhe, Da stieg ein neues Gestirn am Himmel empor. Und der Schäfer sprach zum Stern: »Lamm des Lichts, Istar, — für die mein Vater und meine Mutter, die Erde küssend, Gebete sangen,- bist du Gott?« Aber die Seele Istars flog in den Abend fort Da zog der Neumond am Himmel empor. Lind der Schäfer sprach zum wachsenden Mond; »Zicklein, scheckig von Helligkeit, Sinn, —- die Mädchen singen auf den sieben Türmen der Stadt deine Kraft und Fruchtbarkeit,- bist du Gott?« Aber der Geist des Sinn floh über Flügel hin. Da ging eitie neue Sonne am Himmel auf. Und der Schäfer sprach also zur Sonne: »Fleckioser Stier mit rotem Vließ, Schemesch, — dessen Namen die Greise rufen, wenn du mit deinem Strahlenhorn die Geister vertreibst vom Horizont/ bist du Gott?« Aber in goldenen Krippen sank Schemesch tot herab. Da spradi der Schäfer zum Raum; »Wie könnte Vergehendes Gott sein?« »Lamm, Ziddein, Stier, — wenn Ihr geht und kommt, ists, weil ein Hirt euch dunkel führt, zu weiden am Firmament die Blumen der Dämmerung, den Rasen der hellen Nacht Die Zeiden der Sterne, die ZeicSen des Mondes und die Zeid>en der Sonne sind in Gottes Hand. Btid? der Jußifäen und auf der Wiese des Tages hundertjährige Gräser?« »Und dieser Schäfer des Firmaments, Ist es nicht er, der mir dunkel Zeichen gibt von Zeit zu Zeit, daß ich ohne Falsch meine Seele führe wie eine Färse zur sanften Weide unter dem Hirtenstab der Gerechtigkeit?« Und da er den Unsichtbaren sah mit seinem sterblichen Auge, zum erstenmal sah unter den Tieren des Himmels, betete ein Schäfer den Ewigen an. Und der Ewige sprach zum Schäfer: »Abraham, verlaß deinen Vater und deine Mutter, und geh vor dich hin, ohne den Himmel anzusehn, und trage mein Licht in die Welt. In dir ist der Gott des Himmels auf die Erde herabgestiegen.« Und der Schäfer schritt aus, ohne den Himmel anzusehn, um auf dem Weg, den der Ewige geht, zu gehn. ). PASCIN FRAUENBAD 167

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