Das Zelt
- Journal
- Das Zelt
- Volume
- 1 (1924)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1924)
- Date
- 1924-05-01
- Page
- Seite 160 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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DIE TOTEN IN DER SyNAGOGE VON DR. SAMUEL RAPPAPORT <AUS DEM OSTJÜD ISCHEN VOLKSGLAUBEN) Die aus der Welt Geschiedenen wollen in dieses Tal des Jammers nidit mehr zurückkehren. Würde man einen Verstorbenen, und wenn er noch so glücklich in diesem Leben gewesen war, fragen, ob er zur Erde würde zurückkommen wollen, er würde verächtlich und mitleidsvoll über ein solch wahnwitziges Ansinnen lachen. Wer diese Welt mit ihren Leiden, Sünden und ihrem Trug bereits überwunden hat, will von einer Rückkehr in dieselbe nichts mehr wissen. Trotzdem die Toten zur Erde nicht mehr zurück wollen, gibt es doch einen einzigen Raum auf der^ selben, zu dem es sie noch aus den höchsten Himmelssphären mächtig hinzieht und zu dem sie immer wiederkommen. Es ist dies die heilige Synagoge. Als die Toten noch unter den Lebenden geweilt haben und unter der Herrschaft der Sinnlichkeit und der Sünde gestanden sind, als sie im schweren Kampfe ums tägliche Dasein allerhand Verfehlungen anheimgefallen oder wenn sie, von schwerer Not und von Leiden geplagt und gemartert, der Verzweiflung nahe waren, da waren es stets die heiligen Räume des Gotteshauses, in GRABSTEIN IN ZÖLKIEW denen sie Erhebung, Vergebung und Versöhnung, Trost, Stärkung und Hoffnung gefunden haben. Die ewigen Bande, die die Lebenden mit der Synagoge vereint und gebunden haben, bleiben auch nachher bestehen und werden durch den Tod nicht zerrissen. Wie einst zur Zeit des irdischen Lebens, kommen auch nachher die Toten in der Synagoge zusammen, um hier gemeinsam nach den heiligen Geboten Israels zu Gott zu beten und aus der Thorah zu lesen. Die Toten kommen jedoch nicht in die Synagoge in der Zeit, in der die Lebenden in ihr weilen Die Toten meiden ein Zusammensein mit den Lebenden. Die Synagogen bleiben stets nur während des Gottesdienstes offen und werden, nachdem der Gottesdienst beendet ist und die Betenden die heiligen Räume verlassen haben, bald geschlossen. Das Beth ha Midrasch oder die chassidische Klaus, beziehungsweise Stübl hingegen bleiben auch außerhalb der Gebetszeit während des ganzen Tages und der Nacht für Talmudbeflissene zum Lernen oder für Batlanim und sonstige Arme zum Näch^ GRABSTEIN IN STANISLAU 160