Das Zelt
- Journal
- Das Zelt
- Volume
- 1 (1924)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1924)
- Date
- 1924-05-01
- Page
- Seite 157 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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DTE BERUFUNG in der Mitte des BiU des zu komponieren, will heißen, vom point central abzusehen und gleichmäßig alle Teile des Bildes zu betonen und auszuarbeiten, weiters durch die Farbe — eine geistigere, ins altmeisterliche Braun gehende Farbe —• selbst, Licht und Schatten zu erzeugen, und schließe lieh: das Volumen des Bildobjektes so in den h. HAyDEN Raum zu stellen, daß es, plastisch als In^ halt, sich flächig dem Raum einordnet. Das Kind ist nicht lose auf die Hand gemalt, es wird von der Mutter auf die Hüfte gestützt getragen. So erfüllt das Bild das Verlangen nach Gleichgewicht und D I E i O löse mich, mein Gott, von meinem Amt, Ich bin nicht groß. Ich trotze nicht dem Sturm. Ich bin ein Licht, das Du verlöschst,- ein Wurm, Aus Deines Atems Heiligkeit entstammt . . . Laß mich den Tauben gleich im Glanz vergehn Und mit den Sträuchern wachsen im Gefild! Was ists, daß Du mich nennst Dein Ebenbild, Da ich verflucht, in meinem Gram zu stehn? Ich habe eine schwere Zunge, Herr, Ich bin ein Findling und ich ängste mich. Ich darf nicht führen, weil ich kläglich bin. Nie trug die müde Hand des Krieges Speer, Du schufst mir nicht des Führers starren Sinn: Dies Träumerauge lischt und fürchtet sich. II Durch alle Täler irrt er und sein Ohr Zerspringt vor Wind, und Zweifel rührt das Hirn. Ein Fieber rast,um seine fahle Stirn: Was tat ich, daß Dein Wort mich auserkor? Mich ängsten Träume und der Rauch am Berg! Und weinend sinkt er in das feuchte Gras: Ein Findelkind, das seinen Weg vergaß! Ein falscher Prinz! Ein aufgeputzter Zwerg! gehorcht den Gesetzen der Schwerkraft. Sei es Landschaft, sei es Porträt, jedes Ge* mälde seiner Hand, die von einem geschulten Gehirn geleitet wird, erinnert in seiner Realie tat an Courbet und Corot, jenen Jean=Bap* tiste Corot, von dem Daubigny sagen konnte: »Er ist als Maler nur schwer zu ersetzen, als Mensch niemals . . .« LANDSCHAFT Wenden wir diese Phrase auf Hayden an,- es mag Maler geben, die ein definitiveres Werk schaffen werden, Keinen aber, der so viel getan hat, um aus Kalk, Lehm und Wasser der Gauguin, Cezanne und Picasso einen neuen, Haydens Bau aufzuführen. Und so er weinend ruhte in der Nacht, Von Drang und Angstgesichten hingerafft — Da war der Himmel blutig aufgeklafft, Und gellend fiel auf ihn zu seinem Preise, Von Engelsmunden jubelnd dargebracht, Der goldne Ruf: O Du Geweihter! Weise! III Die Palme senkt die Arme über ihn, Als küßte sie sein dunkles Augenlicht, Der junge Tag vergüldet sein Gesicht, Und Aloe und Narde seinen Fuß umblühn. Der Adler streift in flachem Flug sein Haar, Ihn grüßt im Lichte ein vergessner Stern Als göße er auf ihn das Öl des Herrn: Da ward sein Reden groß und wunderbar: Empor! Empor! Ich will euch führen und Du Sturm sei Bruder mir! Du Tag mein Kind! Du Auge Gottes leuchte, und wir sind Dein Ruf, Dein Angesicht, Dein Mund! Der Erde Wildnis sei uns Gartenland, Wir finden unsern Pfad in Deiner Hand! BERUFUNG VON MANFRED STURMANN 157