Das Zelt
- Journal
- Das Zelt
- Volume
- 1 (1924)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1924)
- Date
- 1924-05-01
- Page
- Seite 156 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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HENRI HAYDEN Auch Picasso wurde nicht vergessen, der kubistisdie Picasso natürlich, und aus allem von Coquiot Gesagten ging hervor, daß Haydens Werk ein kaleidoskopartiges Konglomerat sei, vor dem zumindest durch ein »Cave Canem« gewarnt werden müsse. Aber wie jedes Ding zwei Seiten hat, war dies auch bei Haydens Werk der Fall. 1910 stellte Hayden, der aus Warschau gekommen war, zum erstenmal bei den Independants aus. Von da ab in jedem Jahre. Es ist also gut möglich gewesen, die Entwiddung im Schaffen dieses Malers vor dem Auge zu behalten und zu konstatieren, ob er etwas dazuzulernen imstande oder von vornherein aufzugeben sei. Ein aufmerksamer Beobachter mußte nun tatsächlich feststellen, daß Hayden von Gauguin, Cezanne und Deräin vielleicht zu sehr begeistert war, andererseits mußte man dem Maler aber auch konzedieren, daß diese Begeisterung nicht ohne Vorbehalte, das heißt, daß sie zögernd und eine wissende Begeisterung war. Denn so gut wie Gauguin und Cezanne hätte Hayden sich auch andere Götter wählen können. Warum wählte er nun gerade diese? Die Antwort fällt einem leicht und man hat einen guten Zeugen für kommende Behauptungen. H. HAyDEN AKT H. HAyDEN FRAUENSTUDIE Meier=Graefe in seiner »Entwicklungsgeschichte der modernen Kunst« stellt es fest, daß Cezanne und Gauguin die letzten waren, die für die Malerei synthetisch noch etwas beizusteuern hatten. Mit Matisse und Picasso beginnt der Inhalt zu schwinden, eine formale Kunst ist der Rest. <Daß später neu aufgebaut werden sollte, ist nur logisch.) Wenn nun Hayden die erhaltenden Elemente des Cezanne und Gauguin übernimmt und das formbauende Picassos mit dem lyrischen des Othon Friesz vereinigt, so ist er kein plumper Nachahmer allein mehr, der von Ideal zu Ideal schwankt und bei keinem bleiben kann, er ist schon ein Erbauer, einer jener wissenden Künstler, die, gehirnlich arbeitend, nachdenklich die Werte aus vorhandenen Arbeiten Anderer von der Spreu sondern, um sie zu konservieren. Auf diese Art gelangt er dazu, das, was die Anderen gefunden haben, durch sein »Nachahmen« selbst neu entdeckend, zusammenzufassen und die einzelnen Effekte der verschiedensten Künstler zu einem organischen Ganzen zu vereinigen. Und in diesem organischen Ganzen hat er es erreicht, wieder wie die Klassiker um die vertikale Achse 156