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Das Zelt · 1924-04-01 · Heft 4 (April 1924) · p. Seite 134

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Zelt
Volume
1 (1924)
Issue
Heft 4 (April 1924)
Date
1924-04-01
Page
Seite 134 (sequence 26)
Language
German
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NEUE MUSIK VON HEINRICH BERL I Unter diesem Titel hat der bekannte Musikkritiker Paul Bekker eine Reihe seiner Essais herausgegeben. Bekker ist seit Jahren der eigentliche Programmatiker der „Neuen Musik". So mag er mit Recht seinen Aufsätzen diesen charakteristischen Gesamttitel gegeben haben. Was mich veranlaßt, dieses Buch in einem jüdischen Organ zu besprechen, hat seine doppelten Gründe: einmal ist Bekker noch hinreichend in Erinnerung durch den Streit, den Pfitzners unflätige Antisemiten-Hetzschrift: »Die neue Ästhetik der musikalischen Impotenz« hervorgerufen hat,- zum anderen bewegt sich Bekkers musikalische Ästhetik in der Tat innerhalb der Atmosphäre einer stark jüdisch bestimmten Musik: Bizet, Mafifer und ScBönBerg sind die drei wesentlichsten Erscheinungen, mit denen er sich in immer neuen Anläufen auseinandersetzt, wozu noch sein sehr frühzeitiges begeistertes Eintreten für Offen* Bach kommt und sein — zwar etwas zurück* haltendes — Eintreten für Komgofd. Außerdem sind noch Einige jüdische Komponisten, für die sich Bekker gelegentlich einsetzte, doch stehe ich von ihrer besonderen Feststellung ab. Es scheint also, daß Pfitzner doch recht hatte. Prinzipiell ganz gewiß <wobei natürlich die Begeiferung des Bekkerschen Beethoven-Buches ausgeschlossen bleibt). Der Unterschied ist nur der, daß Bekker sich nicht scheute, die Konsequenzen aus einer zu Ende gefaufenen musikafischen Epoche zu ziehen, während Pfitzner, als echter Epigone der Romantik, bei diesem Ende verharrte und vom Standpunkte der Vergangenheit aus die »Entwidtlung« der Musik glorifizierte. Bekker hat mit sicheren Instinkten das Neue empfunden, wie seinerzeit Nietzsdie bei Bizets »Carmen« — daß diese neue Musik einen spezifisch jüdischen Impuls hat, das muß Bekkers nachträglicher Amor fati sein, denn er hatte, gleich Nietzsche, keine andere Wahl. Man verneint instinktiv nur das, was an sich tot ist, man bejaht nur das, was lebt. In diesem Falle war eine Musikentwicklung zu Ende gelaufen, deren besonderer Träger die deutsche Klassik und Romantik war,- eine neue inauguriert, deren besonderer Träger das wieder aufkeimende Judentum war. Der edite Kritiker, der nun nach dem Wert fragt, fragt nicht nadi der völkischen Zugehörigkeit, sondern einzig nach dem schöpferischen Impuls. Ein solcher echter Kritiker ist Paul Bekker, weshalb er auch für Komponisten mit Leidenschaft eintrat, deren Zugehörigkeit zum Judentum außer Frage steht. <Nur Bizet ist Halbjude, was aber seine Beizählung zum Judentum kraft deutlich erkennbarer jüdischer Elemente nicht ausschließt.) Das ist kein Widerspruch. Denn wenn auch der Kritiker nicht nach der völkischen Zugehörigkeit zu fragen hat, sondern einzig nach dem schöpferischen Impuls, liegt die Sache im Falle Judentum doch so, daß es das einzige Volk ist, das seine zerstreuten Schöpfungen sammelt, sammeln muß, wie es auch die zerstreuten Teile seines Volkskörpers sammelt, um nicht unterzugehen, vielmehr um endlich wieder zu sich selber zu kommen! Das ist auch kein beschränkter Nationafismus. Denn das Judentum bildet den einzigen anorganischen Komplex innerhalb organisch gewachsener Völker, den einzigen Status in statu, wie Dostojewsky , h > ^1 n -$t - *h A \f/i v-'f&W fAt; <•>" i n \^v; * ^W-'/^fA' 'rMfr %\* L. GOTTLIEB ^^--v, ^> - " HOLZSCHNITT 134

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