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Das Zelt · 1924-04-01 · Heft 4 (April 1924) · p. Seite 129

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Zelt
Volume
1 (1924)
Issue
Heft 4 (April 1924)
Date
1924-04-01
Page
Seite 129 (sequence 21)
Language
German
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PSALM Äußerungen der Kapitalakkumulation, von den nur durch die persönlichen Gesetze des Individuums bestimmten und begrenzten Äußerungen der Private macht eines Einzelnen sich abwendet? Schicksalhaft mit seinem Volke verbunden ist der Chaluz, der Opferbereite, nicht aber der über Machtmittel Gebietende, denn Macht schließt Opferbereitschaft aus. So gäbe es nur einen Weg vom Bösel der Westjuden zum Chaluz, den des anonymen Dienens, der unpersönlichen Tat, die keines Dankes bedarf und keinen Dank erwartet: ein wahrhaftes Opfer 1 Ob Bösel dazu fähig wäre, das verschweigt die emsig webende Legende, denn das liegt außerhalb der Mentalität Derer, die bereit sind, durchs Feuer zu gehen für ihren Bösel, den sie persönlich nie gesehen haben, und der von ihrer Existenz nichts weiß, die Opfermut nur kennen, wenn es um ihre persönlichen Ziele geht. Bösel kann ein Mensch von Größe werden oder aber ein gewöhnlicher reicher Jude, der alles Bisherige überschritten hat. Das Letztere sagt nichts. Es reiht ihn nur als prominente Nummer in die Geschichte der großen Vermögen ein,- das Erstere aber würde ihn in die Geschichte der großen Individualitäten eintragen. Liegt die Entscheidung in seiner Macht oder übersteigt sie seine Möglichkeiten? Auch darüber weiß die Legende nichts zu sagen, denn die Legende will schmeicheln, will das Außerordentliche unterstreichen und Opfer zu bringen ist nichts Er* strebenswertes in der Mentalität der Legendendichter. Aus Bösel kann wieder Siegmund Bösel werden. Der Siegmund Bösel einer neuen, besseren Legende. PSALM DAVID VOGEL Mein Gott, der Verstand, mit dem Du die Buckligen begabtest und die Hinkenden Und alle Gebresteten — Was frommt er ihnen? Wenn die Sommertage zur Rüste gehen, so stehen sie vor ihres Hauses Tür Und ihr Antlitz ist schmerzvoll und traurig, Denn wohl wissen sie: Eitel ist jedes Spiel, eitel jede Tat,- — Aber siehe, da steigen die Kinder aus dem Bade Und in ihren Augen ruht die Bläue des zarten, eilfertigen Wassers Da schreitet ihr wissendes Herz still mit ihnen mit. Alle wuchsen wir zur Schwere heran, Unsere Weisheit fließt über vor Fülle ~ Aber wir haben kein Verlangen danach. Siehe, die leichtbeschwingten Mädchen lachen und lachen, Wenn sie an uns vorübergehn, Denn wir sind so übervoll. — Mein Gott, tu ab von uns diese vollen Säcke Und nimm uns unsere Krücken. O daß wir doch so leicht wären und unwissend wie alle Kinder, Auf daß wir uns mit ihnen im Gold der Sommer herumbalgen könnten an den Ufern der Bäche Und das Schwimmen lernten alle Tage Im zarten, eilfertigen Wasser. O daß wir lachen und lachen könnten aus vollen Kehlen Uber jede närrische Ziege, Uber die winzigen Fischlein, da sie ihre kleinen Flossen bewegen Und über jeden Schabernack. Nimm doch von uns den Geist Deiner Heiligkeit. Laß uns spielen unser Leben lang — Und dann mit dem Winde fortwirbeln, Denn wir sind Staub. <Aus dem Hebräischen von Isaak Schreyer) 129

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