Das Zelt
- Journal
- Das Zelt
- Volume
- 1 (1924)
- Issue
- Heft 3 (März 1924)
- Date
- 1924-03-01
- Page
- Seite 99 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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TRAUENSEELE UND VOLKS ARBEIT das sich hier entrollt, das Schaffen des Chaluz, Eroberung und Wandlung von Wüsten, das unerhörte Werk an weißen Straßen, an Brunnen, neue rauschende Felder, all das wird vielleicht einmal Gegenstand eines modernen Heldenepos sein. Aber das, was uns Frauen am meisten nahegeht, wird vielleicht in diesem Gedicht verschwiegen bleiben, denn das Werk der Chaluzah ist zu still. Namen* lose Heldinnen in den Kämpfen des kleinen Lebens, mit Schwierigkeit kämpfend in Zelt und Baracke, im Garten, Hof und Viehstall, von denen sich die Bürgerin zivilisierter Länder kaum eine Vorstellung machen kann, tragen sie ihren unsichtbaren und doch so unendlich wertvollen Anteil dazu bei, daß Palästina zu neuer großer Wirklichkeit heranwachse. Ist das nicht etwas, was uns Alle, Mütter und Schwestern dieser Mädchen, angeht? In Jaffa steht seit bald drei Jahren ein schlichtes, weißes Haus, von Palmen überschattet. Hier ist zum erstenmal der Versuch gemacht, den jungen Einwan* derinnen ein Heim für die erste Zeit ihres Aufenthaltes und eine Schule für die Aufgaben, die ihrer harren, zu bieten. Hat man schon solche Judenmädel gesehen? Mädchen an der Arbeit draußen und drinnen. In der Imkerei und im Gemüsegarten, Mädchen in der Baumschule, im Geflügelhof, bei der Haustierzucht... Sofortige praktische Anwendung des Gelernten ist Hauptziel,- nicht weit vom Hostel liegt die Immigrantenküche,- 400 Personen werden hier täglich verpflegt. Wer leistet die Arbeit? Abwechselnd ein Teil der Mädchen aus dem Hostel. Denn im Hostel gibt es einen Haushaltungskurs und eine Kochschule und die Immigrantenküche muß versorgt werden. Es gibt einen Näh= und Flickkurs und kleine botanische Vorträge und Anleitung zu häuslicher Hygiene,- im ganzen ein Milieu froher Arbeit, es gibt nichts, was eine Philosophiestudentin aus Polen nicht erlernen könnte, ehe sie in die Einsamkeit der vorgeschobenen Siedlung abgeht, wo sie Mitarbeiterin des Mannes, Hausverwalterin, Mutter, stille Heldin in tausend Anforderung sein wird. Ein hoher Beamter der palästinensischen Regierung soll nach seinem Besuche im Hostel scherzend gesagt haben, er werde ein Gesetz beantragen, demzufolge kein Mädchen in Palästina heiraten dürfe, das nicht einen Kursus im Hostel durchgemacht hätte. Die Idee ist nett, aber sie würde die Eheschließungs=Statistik unangenehm beeinflussen. Das Hostel hat nur für 30 Mädchen Platz und so geht man daran, einen langgehegten Plan zur Ausführung zu bringen: eine landwirtschaftliche Schule großen Stils zu bauen, die den Mädchen eine ganz gründliche Ausbildung in allen Fächern der Haus= und Gartenwirtschaft gewähren soll. Der Kurs soll drei Jahre dauern und mit einer Endprüfung abschließen. Zehntausend englische Pfund, die erforderlich sind, sollen in den nächsten zwei Jahren zusammengebracht werden. Der Anfang ist bereits gemacht: Der Nationalfonds hat ein Stück Land in Nahalal zur Verfügung gestellt: eine kleine Gruppe von erfahrenen Arbeiterinnen hat es unternommen, den Boden für die künftige Schule vorzubereiten; verschiedene Frauengruppen aus aller Welt haben Materialien geschickt, landwirtschaftliche GEMÜSEGARTEN IN NAHALAL 99