Das Zelt
- Journal
- Das Zelt
- Volume
- 1 (1924)
- Issue
- Heft 3 (März 1924)
- Date
- 1924-03-01
- Page
- Seite 98 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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WÄSCHEREI IN NAHALAL FRAUENSEELE UND VOLKSARBEIT VON MARGIT MECHNER SEKRETÄRIN DER WELTORGANISATION ZIONISTISCHER FRAUEN, LONDON Unter den großen Mächten, die das Leben formen, die auf das Schicksal der Einzelnen und der Völker umbildenden Einfluß üben, ist die bedeutungsvollste zweifellos der Enthusiasmus. Wirklich entscheidende Veränderungen in der Geschichte sind niemals ohne Enthusiasmus gewirkt worden. Er ist jene Veranlagung, die dann erwacht, wenn das Innerste des Menschen von etwas Erschütterndem ergriffen worden ist. Nichts kann ihn dann zurückhalten. Niemand braucht ihn zu rufen, er kommt von selbst und kein Opfer ist ihm zu groß, denn für ihn gibt es eigentlich kein »Opfer« mehr Welche sind aber die Formen, unter denen das Große von der menschlichen Seele aufgenommen werden kann? Es scheint, daß es zwei solcher Möglichkeiten gibt: Wir lassen uns hinreißen entweder vom Erlebnis einer gewaltigen Idee, die realisiert werden soll oder aber vom Ausblick auf eine neue Wirklichkeit, die wir in der Richtung einer Idee wachsen sehen. Hier vermag auch der Unterschied zwischen spezifisch männlicher und spezifisch weiblicher Eigenart deutlicher sichtbar zu werden. Die Idee ist mehr die Begeisterungsquelle des Mannes, die wachsende Wirklichkeit die der Frau. Alle Bedingungen ihrer Konstitution drängen die Frau in diese Richtung. Niemand ist so fähig zum liebevollen Erkennen eines zarten Keimes, zu seiner behutsamen Pflege so befähigt wie die Frau. Sie kann es einbeziehen in den Umkreis ihres mütterlichen Fühlens und dort werden die kleinsten, unscheinbarsten Details, jede Bewegung, jeder Zug des geliebten Wesens wichtig und bedeutungsvoll, von dort kommt der Trieb, sie zu fördern und zu nähren. Und das Glücksgefühl. Anteil gehabt zu haben am Emporblühen und Reifen dieses Stückchens neuer Welt strömt zurück in ihre Seele und verdoppelt ihre Kräfte. Wachsende Wirklichkeit — es gibt manches davon in der Welt von heute, in der Kunst, im sozialen Leben, im Neuaufbau der Welt nach dem Kriege und am ersten im Lande unserer Zukunft: in Palästina. Ein ergreifendes Dokument hiefür: Artur Hollitschers Palästinabuch. Er hatte Palästina bereist und was er berichtet, ist, wiewohl wir schon manches davon hörten, in höchstem Maße faszinierend und erschütternd, weil es ohne die Brille des Parteimannes gesehen, ohne Schönfärberei geschrieben ist. Die jüdische Frau, die diese Berichte von ihrem Gesichtspunkt aus liest, liest mit heißen Wangen von den hinreißenden Ereignissen eines unalltäglichen Alltags. Das Leben des Pioniers, 98