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Das Zelt · 1924-02-01 · Heft 2 (Februar 1924) · p. Seite 61

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Zelt
Volume
1 (1924)
Issue
Heft 2 (Februar 1924)
Date
1924-02-01
Page
Seite 61 (sequence 27)
Language
German
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GEORG EHRLICH GEORG EHRLICH FRAUENBILDNIS <ÖL> dasein und einzuschwingen scheinen in den Zephir der Ewigkeit. Ehrlichs Kunst ist fast ganz den Narren und den Mädchen gewidmet, ihrer sanften Melancholie, der Heiligkeit ihrer stummen, schmerz* lieh lächelnden Verwunderung. Und wenn er Motive des Alten und Neuen Testamentes wählt oder bucklige, bedrückte, gewelkte Menschen in der Mystik ihrer Demut auf das Blatt bannt, so stehen sie den Narren und Mädchen garnicht fern: dieselbe Stirn* mung, dasselbe Schweigen vibriert in allen Werken dieses Poeten, ob er schon heute enger der Realität angeschlossen, mehr auf ihm begegnende Antlitze eingestellt, früher mehr von religiösen Stoffen, von Dostojewski inspiriert gewesen ist. Was immer er malt oder zeichnet wird stets Legende — und das bedeutet nicht wenig. Alle seine Kreaturen schweben in den Äthern eines zeitlosen Jenseits, sind eingetan in Grübeln und des Fühlens weiche Bucht, sind entführt allem Hader und Lärm, entrückt zu ihrem Werden und Vergehen. Ehrlich hat dem leidvollen Wissen, der rehhaften Verwunderung, der zarten Trauer ein Antlitz geschaffen, dessen Vision mächtiger ist als alle erzähl lerischen und porträtmäßigen Anlässe und so in geringer Abwandlung immer wiederkehrt: ein blasses Oval, mandelförmig dem beklommenen Kinne zugespitzt, mit einem spröden Munde, dem das Wort vergangen ist, ein Antlitz, dessen Plastik ganz in die Stirn genommen ist, während das Profil manch* mal gestumpft und zahm erscheint,- das Antlitz einer geistigen Verhaltenheit, nach deren tragischen Ursachen kummervoll geweitete Augen zu forschen scheinen —- obschon nicht im Außen. Geschwisterlich genähert liegt wohl Antlitz mondlich blaß neben Antlitz, soweit ewige Getrenntheit von All und Jedem es gewährt. So lauschen sie, verborgen anein* ander und sich selber fremd, in der Unbegreiflichkeit der Daseins weit hinaus, blind vor Gesicht, doch zu Sternen empor. Dies Antlitz/ ehedem etwas sektiererisch mitunter oder verschreckt, ist in den letzten Jahren, ohne wesentliche Verschiebung des Ausdruckes, viel reicher noch geworden an Selbstverständlichkeit, menschlicher Holdheit und Innigkeit. Die geistig lebendigen, genial angefachten und doch so verscheuchten Züge der Schauspielerin Elisabeth Bergner, seraphisch und dulderisch in einem, fallen 61

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