Das Zelt
- Journal
- Das Zelt
- Volume
- 1 (1924)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1924)
- Date
- 1924-02-01
- Page
- Seite 60 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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GEORG EHRLICH STUDIENKOPF GEORG EHRLICH NIDDy IMPEKOVEN GEORG EHRLICH VON WILLI WOLFRADT Es ist nicht die äußere Eigenart, irgendein überraschender Zuschnitt oder irgendeine stilistische Kühnheit, die den Betrachter der Werke Georg Ehrlichs fesselt, sondern es ist die stille Eindringlichkeit einer Liehe, die immer wieder und immer tiefer aus dem Herzen herauf sich vernehmen läßt. Es ist die feine Verinnerlichung, der melodische Klang, die sensitive Beseeltheit seiner Kunst, — es ist der leise Adel der immer wiederkehrenden Gestalten, der menschliche Grad, der aufhorchen läßt. Dieser junge Wiener ist nicht so sehr eine Figur von besonders auffälligem Habitus, als vielmehr ein abseits für sich und sehr intensiv Schaffender von so eigener Art und solcher Unterworfenheit unter sein selbsteigenstes Empfinden und Sehnen, daß Stilprobleme seiner Kunst kaum bewußt werden, daß das seelische Erlebnis sich selbst zu tragen scheint, daß die l Notwendigkeit, die den Kom= Positionen Ehrlichs mitunter ein wenig mangelt, sich in der reichen und feinen Beseefung, also von innen her, bestätigt. Ehrlich hat nicht jene äußere Eigenart, die leicht auf eine Formel zu bringen ist und durch ihr Verhältnis zu den Typen und künstlerischen Ideologien der Zeit klar definiert werden kann. Er ist vielmehr von jener und von so unbedingter Eigenart, daß die Frage nach Abhängigkeiten oder schulmäßigen Bindungen garnicht aufkommt. Hier ist eine in ihren Gehalten ruhende und nur aus ihnen nach Gebühr zu wertende Kunst. Der Grundton, auf den diese Kunst gestimmt ist, erklingt als ein zartes, wehendes Moll, als weicher Klagelaut des Bangens und der Ergebung, als stammelndes, werbendes, stilles Flehen und bescheidenes Aufseufzen. Alle Gemälde, alle Blätter Ehrlichs sind durch waltet von der kaum bewegten, in Lauschen und Jagen halberstarrten Schönheit kindlicher Schwermut und trauervoll sinnender Ergebung. Dabei geht seine Handschrift so lind und tröstlich, daß die Müdigkeit der Herzen, der furchtsame Sinn und das armselige Harren gleichsam aufgefangen, auf^ gehoben scheinen zu behutsamem, behütetem Engels^ 60