Das Zelt
- Journal
- Das Zelt
- Volume
- 1 (1924)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1924)
- Date
- 1924-02-01
- Page
- Seite 59 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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BRITH A4 IL AH Fremd war ihm all dies so sehr, daß sein Herz ein wenig sich krampfte . . . Bogen sah er vor sich und Speere und Sturmballistren Aber schon andre Gesichter! — sofort erkannte Eljakum Zion am neunten des Ab!... Und sein Herz krampft noch mehr sich zusammen... Ach jener Kampf! . . . Und Rabbi Eljakum versinkt noch in Träume: War er dort damals gewesen, hätt er den Zeloten geholfen! Noch überdenkt er sein Leben, da kommt ihm auf einmal vor Augen Chones, des Sohnes, Gestalt mit gegen den Fuhrmann geballten Fäustchen,• es fragt sich Eljakum: War ich noch so klein und so schwächlich Wie mein Sohn, hätte ich gegen Mischa die Fäuste erhoben? Wahrlich, ein neuer Wind, der im Wehen alles verbindet, Ging über Juda, ein neues Geschlecht erstand hier auf Erden: Voll ist täglich die Zeitung von Zion, Kongreß, Kolonien, Reden und Taten und Bank . . . Eljakums Herz faßt ein Beben Weit wird und bang ihm zugleich — so viel Winke und Hoffnung und Rätsel . . . Da gibt es hohe und herrliche Taten, erhaben und mächtig, Heilig und lieblich dem Herzen: doch neu, völlig neu und befremdend. Furchtbar ist dieses Neue, wer weiß, was aus ihm nur noch folget? Fremd sind die Dinge gar sehr, es gibt keinen Führer zur Zukunft »Z'irim« und »Achad Haam« *, Begriffe und Wünsche voll Wunder . . . Weh! Und das Alte! — das Alte! es wankt und stürzt vor dem Neuen! Noch steht das Alte ein wenig — doch führen die Bahnen und Minen Unter ihm hin, und es wankt und viel sind der Risse und Spalten. Das ist ein Bild, das immer so war, seit ewigen Zeiten. So ists im Lenz vor dem Eisbruch: die Sonne strahlt ihre Wärme Überallhin — und das Eis gleicht noch ganz dem von gestern und vorher, Doch kaum betritt es ein Fuß, ~- so schmilzt es, ist spurlos verschwunden . . . Neues erfreut unser Herz, über Schwindendes weint es . . . o Wechsel! . . . Plötzlich begannen die Rosse aus eigenem Antrieb zu laufen, Mischa verstummt und die Räder des Wagens beginnen zu klopfen In einem fröhlichen Takt, denn man kam an den Rand Bjeliwirkas. Dorfhäuser winken ihnen ermutigend aus kleinen Scheiben, Blinzeln ihnen entgegen in wohliger Liebe und Freundschaft, Lungernde Hunde kläffen und laufen hinter dem Wagen, Füllen die Luft mit dem freudigen Klang ihres lärmenden Bellens. (Nachdichtung von Hans Kohn> * Anspielung auf einen in der Mitte der neunziger Jahre die hebräische Literatur erfüllenden Streit zwischen den »jungen« und Achad Haam. JÜD. VOLKSKUNST SCHERENSCHNITT 59