Das Zelt
- Journal
- Das Zelt
- Volume
- 1 (1924)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1924)
- Date
- 1924-02-01
- Page
- Seite 56 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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BRITH MJLAH So wie ein Topf ist die Mütze geformt, nur ein gutes Stück länger: Sieben Hand lang, einen Finger hinzu gibt, wer etwa pedantisch. Wie diese Mütze entstand, wird in folgendem treulich berichtet: Braucht eine Mütze der Landmann, dann geht er und wählt aus der Herde Eines der stattlichen Lämmer mit feinem, wolligem Vließe, Schwarz oder grau oder braun, dann schlachtete er es im Hause, Kochte das Fleisch in dem Topfe und aß es in schmackhafter Suppe, <Aber es gibt dort auch solche, die bratens in Grieß oder Grütze) Gab dann die Haut dem Gerber, dem Meister seines Gewerbes. Fuhr dann nach Michailowka zum Jahrmarkt, zum freudigen Feste, Ging dort zum Laden des Schrago, verweilt dort und plaudert ein Stündchen, Kam dann zur Bude des Schlomke, und kehrte zurück dann zu Schrago, Sprach hierauf auch noch mit Berl — und der wird die Mütze ihm machen. Fünfzig Kopeken kostet die Mütze und nicht einen Heller Läßt man vom Preise mehr nach, für ewig ist es beschlossen. Weit sind im Lande berühmt die Mützen und ihre Besitzer,- Wenn man auf seiner Fahrt Bjeliwirker Männern begegnet, Grüßt man sie stets mit der Bitte: »Verkaufe mir heut deine Mütze.« <— Dies ist den Taurern Gesetz für ewig und niemand verletzt es. So erkannte auch schnell an der Mütze Eljakum den Bauer, Aber er wußte noch nicht, was ihn zu der Wohnung geführt hat. Sinnend blickte Eljakum und dachte: »Dies — Bjeliwirka! Was dort nur Neues geschehen ist! Und gänzlich ohne mein Wissen!« Noch stand er so in Gedanken, da kam schon der Bauer ins Zimmer, Blickte ringsum, als such er den Ikon, nahm ab seine Mütze: »Gruß dir! Du bist doch der Schochet? Zu dir komm' ich aus Bjeliwirka, Pessach sandt mich um dich, einen Sohn hat ihm Mirka geboren,- Morgen sollst du ihn beschneiden: hier bring ich dir auch noch ein Schreiben.« »Gut,« erwidert Eljakum, »erst bet ich, dann wollen wir fahren. Warte ein Stündlein auf mich, derweilen ruhen die Pferde.« Sprachs und schwang seinen Rock, erhob seine Füße und schritt dann Langsamen Ganges durch die Straße. Es blitzten die Schnallen der Schuhe . . . Hochberühmt als Beschneider im Lande war Rabbi Eljakum Weither aus fernsten Dörfern sandten sie stets, ihn zu holen, Denn er verdiente den Ruhm . . . Kaum verging die Hälfte der Stunde, Kommt schon Rabbi Eljakum in Mantel und Halstuch gekleidet, Groß wars und warm, denn Elka, die Gattin, befahls ihm Sprechend: »Nimm doch das Tuch und zieh es dir fest um den Hals an! Heut ists ein warmer Tag,- doch kann man sich immer verkühlen. Nimm! was machts dir denn aus? Du wirst es fürwahr nicht bereuen!« Rabbi Eljakum verließ so sein Haus und kam zu dem Wagen, Der kleiner Kinder ganz voll ist, sonnenverbrannte drei Mädchen: Sorka, Devorka und Tscharna. Es fehlte hier nur noch der Knabe. Dieser schwebte gerade hoch zwischen Himmel und Erde, Heben wollt ihn der Goj mit kräftiger Hand in den Wagen, Hiebei erstrahlte leuchtend das Antlitz des Fuhrmanns und Chones Antlitz strahlte in Freude und bot einen seltsamen Anblick: Maulbeeren aß er mit Lust, davon zeugen die Flecke am Antlitz, Auch seine Zähne sind blau, auch das Kinn und die Spitze der Nase. Diese Stunde war ihm eine Stunde besonderer Freude, Und er strampelte fest, als ihn Mischa, der Fuhrmann, emporhob. Mischa verlangt es nach Spaß mit den jüdischen Kindern. Er höhnte: »Wartet nur, Jüdchen!« Erhob seine Peitsche, als wollt er sie schlagen. 56