Mannheim
Compact Memory

Das Zelt · 1924-02-01 · Heft 2 (Februar 1924) · p. Seite 53

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Zelt
Volume
1 (1924)
Issue
Heft 2 (Februar 1924)
Date
1924-02-01
Page
Seite 53 (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3139318-3133277-3133279--074-3133375
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

JÜDISCHE VOLKSKUNST ORNAMENTE SCHERENSCHNITT daß dem aufgehängten Haman die Vögel das Fleisch weggefressen haben). Nicht mehr ganz hiehergehörend, aber interessant und bezeichnend für den Schönheits^ und Formensinn der Juden sind alle für den synagogalen und häuslichen rituellen Gebrauch her^ gestellten Gegenstände aus Holz sowie aus edlen und unedlen Metallen (Leuchter, Pokale, Chanukahlampen, Riechbüchsen, Ethrogbüchsen). Man findet darunter oft ganz hervorragende Werke, besonders der deutschen Schmiedekunst vergangener Jahrhunderte. Es gab allerdings auch — obgleich ziemlich selten — jüdische Meister. Man fand kaum ein halbwegs wohlhabendes jüdisches Haus, wo man nicht solche Meisterwerke angetroffen hätte. Es ist nun selbstverständlich, daß bei all dieser Volkskunst Einflüsse von seiten der umgebenden Bevölkerung zur Geltung kamen. Genau wie dies bei den jüdischen, besonders den chassidischen Melodien bereits feststeht, wird auch hier der Beweis nicht schwer zu erbringen sein. Aber ebenso wie die jüdischen Volksweisen hat auch diese Volkse kunst ihr eigenes, geradezu ursprüngliches Gepräge bekommen. In den folgenden Heften dieser Zeitschrift sollen einzelne Gebiete jüdischer Volkskunst gelegentlich eingehender dargestellt werden. Bei dem jetzt wach^ senden Interesse an jüdischen Angelegenheiten darf wohl mit Recht angenommen werden, daß es so gelingen wird, auch das Interesse für die jüdische Volkskunst mit der Zeit zu zentralisieren. Gar Vieles, vielleicht das Meiste befindet sich in privaten, oft unzugänglichen Sammlungen. Und so manche kostbare Unika sind in tausenden jüdischen Häusern in aller Herren Länder verstreut, jeder zentralen Kontrolle unzugänglich. Schon die Ermöglichung einer photographischen Vorführung dieser Objekte würde einen großen Schritt nach vorwärts bedeuten. Diesmal bringen wir einige Abbildungen von »Reisalech«, in manchen Gegenden auch »Schwieslech« genannt. Es waren dies Scherenschnitte, meist aus weißem Papier, nur selten mit Farben bemalt, welche die Juden zu Schawuoth (Pfingsten) auf der Innenseite der Fensterscheiben ihrer Wohnungen anzubringen pflegten. Dieser Brauch war besonders in Galizien und Russisch^Polen, aber auch in Rumänien und in einigen Gegenden Rußlands in Blüte und ist heute meines Wissens vollständig verschwunden. Aufbewahrt wurden sie von Jahr zu Jahr bezeichnenderweise in den Machsorim des Wochen^ festes. Die Sujets waren sehr mannigfaltig: vorwiegend Tier- und Pflanzenmotive, ineinander kombinierte Magen^Dawid* und Menorah^Motive, die Bundeslade, der Berg Sinai, Gegenstände aus der Umwelt, wie Häuser, Blumentöpfe und auch sonstige aus einer naiven Phantasie quellende Themen. JOSEF REITZES. 53

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.