Das Zelt
- Journal
- Das Zelt
- Volume
- 1 (1924)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1924)
- Date
- 1924-02-01
- Page
- Seite 52 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE POLKSKUNS1 Moses und Aron darstellt. Ich kann mir diesen, wie ähnliche — freilich nur äußerst seltene! — Fälle wieder nur so erklären, daß man diesen als Volkse belustigung aufgefaßten Spielereien so wenig Ernst beimaß, daß man sie ohneweiters, ja wohlwollend gelten ließ. Und ich erinnere mich noch heute ganz genau — es war vor etwa vierzehn Jahren — an den Blick des Juden, bei dem ich dieses eigenartige Objekt erstand, als er es mir vorwies,- an jenen Blick, in dem ein eigenartiges Gemisch lag von Scheu und Angst wegen einer etwa begangenen Sünde — er war selbst der Meister dieses Stückes — und von kindlicher Freude über eine Narretei, einen Spaß, den er sich da geleistet. Um nun noch ein anderes Gebiet jüdischer Volkse kunst zu erwähnen, seien jene zu den Sukkoth^ Feiertagen aus getrockneten Palm<Lulaw=)blättern in den verschiedensten Flechtkombinationen hergestellten Fingerringe angeführt,- die aus ebensolchen Blättern oder aus Papier verfertigten, oft bunt bemalten Dekorationen für die Sukkah,- die »Dreid* lech« <in Mähren »Trendelech«) aus Blei oder Holz für Chanukah, in verschiedenen Formen <ich sah einige in schönstem Barock),- die SimchatVThora= Fahnen,- die oft herrlichen und den wenigsten bekannten holzgeschnitzten Mesusah-Gehäuse, meist mit Darstellungen von Palästina-Landschaftendie holzgeschnitzten »Schulklopper« usw. Ein eigenes, sehr reiches Gebiet für sich: die in Stein gehauenen Menorahs, sowie wieder Tier¬ und Pflanzenmotive auf den Grabsteinen, die jedoch zum Unterschied von allem bis jetzt Erwähnten fast ausschließlich von Professionals hergestellt wurden. Sonst aber waren die Schöpfer all dieser Volkskunst in den meisten Fällen die Cheder^Jinglech, und zwar während der den Feiertagen vorangehenden chederfreien Stunden. Sie wurden hiebei oft unterstützt und unterwiesen von ihren Lehrern und »Behelfern«, unter denen es gar manche große, schlummernde Talente gegeben haben mag. Ebenfalls sehr wenig bekannt sind alle jene Holz= und Metallmodel für Bäckereien,- eine besonders reiche Auswahl gab es da für Purim <Hamantaschen, »Kischalech« usw.),- so wurden zum Beispiel auch am Purim^Kojletsch, der eine ganz besonders runde und sehr hohe Form hatte, obenan aus Teig geflochtene Vögel angebracht <zur Erinnerung daran, 52