Das Zelt
- Journal
- Das Zelt
- Volume
- 1 (1924)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1924)
- Date
- 1924-02-01
- Page
- Seite 51 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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laaMii rrrrwTiytfujn MOSES UND ARON SCHERENSCHNITT JÜDISCHE VOLKSKUNST (EINLEITENDE BEMERKUNGEN) Dazu neun Scherenschnitte aus der Sammlung J. R. Von den maßgebenden Faktoren im Volke niemals ernst genommen, konnte sich die jüdische Volkskunst unverfolgt und ungestört entwickeln. Denn sie wurde als eine Art gelegentlicher Spielerei ohne weiteres geduldet. Galt das Aufhängen selbst einer Familien* Photographie oder gar eines Werkes der bildenden Kunst an der Wand eines jüdischen Wohnzimmers als etwas vom Gesetze Verbotenes, also als etwas Verpöntes, so konnte man hingegen nicht nur in jüdischen Wohnungen, sondern auch in den Synagogen allerhand aus Papier geschnittene oder auf Papier gezeichnete und mit bunten Farben bemalte Pflanzen- und Tiermotive sehen. Ich besitze in meinen Sammlungen — um es nur der Kuriosität halber hervorzuheben —- ein von meinem Urgroßvater stammendes, von ihm selbst angefertigtes, mit bunten Blattvignetten geschmücktes, signiertes und datiertes Lamnazeachautogramm, aus dem er nach der Familienüberlieferung an den Neujahrsfesttagen dieses Psalmkapitel vor Schofarblasen zu lesen pflegte. Dabei sei betont, daß er Talmudgelehrter war, zweifellos Tag und Nacht bei seinen Folianten verbrachte und nur einmal, so nebenher, in einem Momente guter Laune, dieses Blatt für sich an* gefertigt hat. Diese, wie viele ähnliche Tatsachen sprechen unwiderlegbar von dem Formen* und Farbensinn des Volkes. Man denke nur an die »Schwieslech« und »Mi* schenichnos*LIdors«, an die unzähligen, hauptsächlich in Synagogen, aber auch in Privathäusern an den Wänden angebrachten Gebete: sie waren sehr selten in Kursivschrift <und in diesem Falle mit sehr schönen, oft sehr interessanten Schnörkeln und Floskeln versehen), dagegen zumeist in der Druckschrift nachgeahmten Buchstaben hergestellt, mit bunten Initialen, den Text umrankenden farbigen Tier* und Pflanzen* Vignetten, manchmal auch in den Text selbst ein* geschalteten dekorativen Einlagen. Man denke ferner an die oft in den bizarrsten Formen gehaltenen Wand* und Plafondsmalereien der alten Synagogen und des »Pulesch« <Vorhalle der Synagoge), ge* legentlich auch der Privatwohnungen, wobei zu biblischen Sätzen meist moralisierenden Inhaltes Illustrationen in Verwendung kamen, wieder aus der Tier* und Pflanzenwelt, und zwar Letztere sehr häufig der palästinensischen Flora entnommen. Hierher gehören auch die in ähnlichem Stil ge* schmüdtten Verlobungs* und Ehepakten, die Jahr* Zeittafeln usw. Bildliche Darstellungen von Menschen waren nach dem Gesetze strengstens verboten. Man setzte sich jedoch manchesmal über dieses Verbot einfach hinweg. In meiner Reisalech*Sammlung <siehe weiter unten) besitze ich als Kuriosum allerdings nur ein Stück, das in naiv*volkstümlicher Form 51