Das Zelt
- Journal
- Das Zelt
- Volume
- 1 (1924)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1924)
- Date
- 1924-02-01
- Page
- Seite 50 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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TISCHERLIEDER VOM SEE KINNERE TH feste Stadt baute und Geschlechter zeugte von Menschen, Geschlechter des Lebens. Und siehe! Hebel, der Mann des tadellosen Wandels, hat keinen Sproß auf der Erde — und so sind die Menschenkinder, Kinder Adams undKajins, Erben der Schuld.« Da rief der Engel, der über die Opfer gesetzt ist, dazwischen: »Seht, Satan, den Meister der Gerechtigkeit!« Und er fuhr fort: »Wahrlich, angenommen wurde sein neues Opfer, das Opfer des Schmerzes und der irren Wanderschaft, das Opfer eines Lebens von Fluch und Gottessträfe«. Da bebte der Satan, und es gärte sein Leib vor Wut, und er lachte mit großem Geschrei, daß die Engelschar erzitterte vor der Macht der Wut und des Hohnes: »Wohlan, ihr Gottesmächte! Hat denn wirklich Kajin ein Opfer gebracht, es sei denn das Opfer seines Wahnsinns — der Mord an seinem Bruder? Kamen Schmerz und irres Wandern aus seinem Witten? Hat er sein Leben dargebracht? Sein Leben — ein vergebliches — sein Schmerz ~ ein Schmerz für nichts!« Und leise und mit fragender Strenge wiederholte der Engel der Gerechtigkeit, welcher auch ist der Engel des. Gerichtes: »Wahrlich, nicht aus seinem Herzen brachte er das Opfer seines Schmerzes, wie er einst gebracht die Gabe der Freude, die wir nicht empfangen.« Da aber sendete der Allheilige, Er sei gepriesen, selber Sein Wort vom Throne Seiner Herrlichkeit. »Angenommen ist das Opfer Kajins, sein großes Opfer. Damals hielten wir zurück die Stunde der Gnade und verspäteten sie. So haben wir heute die Gnade verfrüht, damit ihm kund werden die Werke der Gottesmächte und Herrlichkeit der oberen Dinge, damit aber auch sein Schmerz ihm zur Erkenntnis werde und seine irre Wanderschaft, so wird sein Leben nicht in nichts versinken. Gebracht wurde das Opfer, wenn es auch den Gottesmächten selber nicht offenbar ist, wie es wirken wird auf das Herz des Menschen und auf den Gang der menschlichen Geschlechter. Denn verbunden und verkettet sind die Werke der Opfer in den Taten der Gottesmädite und der Menschen. Wille der Gottesmächte ist dies und Gesetz der Zeiten, der Menschenzeiten.« FISCHERLIEDER VOM SEE KINNERETH VON ABRAHAM M. LUNZ I. Durch des Himmels hohe, blaue, Hellgestirnte Weiten Schwebet still der Mond und gießt Licht nach allen Seiten. In des Lichtes Sprache singt Leis der Sterne helle Schar Und von Glück und Freiheit klingt Ihre Weise wunderbar. II. Mein Herz! Es können alle Berge nicht, Es können alle Wasser nicht, O See Kinnereth, Seine Leiden bedecken, Seine Flammen verlöschen! Mein Herz! Wie ist es wund und schwer Und brennt wie Feuersglut! Und du . . . Bist wie der weiße Schnee Am Haupte des HermonJ Mein Gott, Den Merom und Kinnereth Hast du mit einer Schnur verbunden, Mit deinem Jordan! Und unsern Herzen hast in deinen Kammern du Kein Band gefunden? <Aus dem Hebräisdjen von Hugo Knöpfmadier) 50