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Das Zelt · 1924-01-01 · Heft 1 (Januar 1924) · p. Seite 39

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Zelt
Volume
1 (1924)
Issue
Heft 1 (Januar 1924)
Date
1924-01-01
Page
Seite 39 (sequence 49)
Language
German
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CHALUZ nur die Forderung: Neutralisierung der Szene auf der Basis eines hohen tragischen Gesdiehens. Die Grundfeste unseres Projektes ist ein reich gestufter Aufbau, dessen drei ungleich hohe Erhebungen einen zentral gelegenen Raum, den ruhenden Pol des Ganzen, begrenzen. Die drei Erhebungen tragen schwere quadratische Säulen, welche das einemal Terrassentürme, um die der Geist umherstreidit, bedeuten sollen, das anderemal — durdi jeweils andersfarbige Drapierungen ver* hängt — die verschiedenen Räume des Schlosses zur Vorstellung bringen. Durch die Säulen entstehen Gänge: die wilden und unruhigen, unheimlichen Begebenheiten, das Wandeln auf Galerien, das Behorchen, Vorbeischleichen und Verstecken findet hier seine Spielmöglichkeiten. Oft stehen nur zwei oder steht auch nur eine Säule da, je nach dem Raumbedarf. In freier Gegend <Fortinbras> fehlen die Säulen ganz,- dann ist die Szene ein Wiesenhügel. Ähnliches gilt für die Kirdihofszene, wo nur eine zu äußerst stehende Säule die Ecke des Kirchturms bedeutet, sonst alles Gräberhügel ist. Die unverändert bleibende Bühnenmitte ist der Raum für besonders hervorgehobene Momente, zum Beispiel für die Schauspielerszene, für den Sitz von König und Königin während der Schauspielszene, für den Tod Hamlets. Gedämpftes Rot ist die Farbe von Grundfeste und Säulen, um die sich nach allen Seiten unendliches Dunkel breitet, wechselndes Licht variiert die Szene, der einfache Schnitt der Gewänder neutralisiert auch diese, lediglich die Farben unterscheiden ihre Träger. Einfache Größe, umbrandet vom Mannigfaltigen, Unruhigen, Dunklen und Fernen — das ist der Szenenbau des »Hamlet«. CHALUZ VON OSKAR NEUMANN Ein junger jüdiscßer Di<£ter aus der Ts<£ec6osfova6ei, von dem ein Versdrama „Rutß" (im Vertage Steiner, Brati* sfavaj vorfiegt. Das Gedicßt „Cßafuz" ist einer Sammfung unveröffentficßter Gedicßte entnommen. Ich warf weit von mir das müde Gebet Traumschwerer Dämmerungen Und hab in den Sturm, der so wirbeltoll weht, Meine morgenden Lieder gesungen. Dann ließ ich die Straße, die ziellos sich dehnt, Im Spiel dumpfer Nachtschatten liegen Und bin, von der Liebe zum Lichte durchsehnt, Auf ragende Gipfel gestiegen. Und sah vor mir liegen ein göttliches Land Im Rausch einer glühenden Stunde. Und breitete jubelnd erstarkend die Hand,- Da starb eine alte Wunde. Ich aber stieg nieder ins lachende Tal Wie wandernder Vogel im Zuge, Und fand aus der schreienden Wegesqual Den Sinn meines Lebens — am Pfluge. 39

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