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Das Zelt · 1924-01-01 · Heft 1 (Januar 1924) · p. Seite 31

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Zelt
Volume
1 (1924)
Issue
Heft 1 (Januar 1924)
Date
1924-01-01
Page
Seite 31 (sequence 40)
Language
German
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DER BILDHAUER SAMUEL ZIMMERMANN FRAUENSTUDIE BRONZE zwingen ihn in seinen Weg. Der Osten, noch immer der Mutterboden des Naiven und Ursprünglichen, der rein menschlichen Sensationen, wirkt mit und läßt den Mann herauswachsen aus dem breiten Fundament seines Volkes. Überall steht hier hinter dem Individuellen das Allgemeine und verleiht ihm das höhere Interesse, die größere Bedeutung. Zimmermann ist 1881 in dem galizischen Myslenicegeboren. Er verbringt seine Jugend mit dem Studium der Heiligen Schrift und hilft dann in der Zuckerbäckerei seines Vaters gelegentlich mit. Bei diesem widerstreitenden Wechsel von gelehrten und handwerklichen Beschäftigungen bleibt es auch weiterhin. Der Jüngling geht in die Schweiz, um dort den Einlaß in die Hochschule zu finden, nach deren geistigen Beglückungen er in dieser intellektuellen Frühzeit so sehr verlangt. Aber, um leben zu können, muß er nebstbei in einer Züricher Schokoladenfabrik arbeiten. Mit der höheren Bildung wird es fast nichts. So scheinen ihm diese Jahre verloren, denn sie haben ihn um seine ideellen Hoffnungen betrogen. Unbefriedigt, ratlos kehrt er in die Heimat zurück. Dabei ist er jetzt schon dreißig alt, also ein Mann ohne Zukunft. Da kommt der Krieg. Zimmermann gerät in die Gefangenschaft und wird nach Wjatka in Ostrußland gebracht. Es ergeht ihm dort recht und schlecht, wie Tausenden anderen auch, jedenfalls ist HOCKENDER MANN TON er eingeschlossen in eine fremde Welt. Aber er hat wenigstens Überfluß an Zeit. Und in einer dieser vielen Mußestunden geschieht es, daß er von ungefähr aus den ungenießbaren Brotkrumen die Menschen seiner Umgebung, Juden und Bauern, nachzubilden versucht. Ein russischer Aufseher sieht das und findet es sündhaft. Er solle sich doch lieber etwas Ton bringen lassen. So wird Zimmermann zum Tonbildner. Er hat jetzt noch ein Jahr im Exil vor sich. Und in diesem Jahre 1916—1917 wendet sich nun das Spiel allmählich zum Ernst, vor den entzückten Augen der Leidensgefährten entsteht eine ganze Reihe fragwürdiger Kunstwerke. Sie wecken und nähren den Trieb der Hand, der seither nicht mehr zur Ruhe kommt. Und als die Revolution in Rußland den Gefangenen wieder die Freiheit gibt, kennt Zimmermann endlich seinen Weg. Er will, er muß Bildhauer werden. Zu diesem Zwecke reist er nach Wien. In der Akademie wird er abgewiesen, Hanak nimmt ihn zu sich in die Kunstgewerbeschule. Das geschieht 1920. In den zwei, drei folgenden Jahren entwickelt sich seine bisher plumpe und meistens fehlgreifende Art — allerdings noch nicht zur eigentümlichen Freiheit, sondern vielmehr zu der rhythmischen Anschauung seines Lehrers. Der rapide Prozeß dieser Entwicklung ist also vor allem bewundernswert als ein Beweis für die 31

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