Das Zelt
- Journal
- Das Zelt
- Volume
- 1 (1924)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 30 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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JUDENMASKE GEBRANNTER TON DIE JUNGEN JÜDISCHEN BILDHAUER VON PROFESSOR ANTON HANAK Diese jugendlichen Träumer fragen nur mit den Augen, und aus ihren innersten Tiefen offenbart sich ein überwältigender Gestaltungstrieb. Sie wollen nicht mehr nur lesen und durch Worte ihren Schaffensdrang befriedigen, sie greifen voll leuchtendem Glück zum endgültigen Material und ihre Hände werden nicht müde. Und der Stein und das Holz und das Metall führen sie denselben "Weg wie vor Jahrtausenden und lehren sie ihre Heiligtümer kennen. Mit jedem Morgen wächst ihr Glück und strebt nach jenen erhebenden Bildwerken, die ihres Stammes Führer sind. DER BILDHAUER SAMUEL ZIMMERMANN VON MAX EISLER Wir Beginnen eine Reiße von Darsteffungen üßer jüdiscße Künstfer aus der Scßufe Hanaß und roffen damit das Proßfem der jüdischen Bifdßauerei üßerßaupt auf. Aus der Meisterklasse für Bildhauerei an der Kunstgewerbeschule in Wien sind seit einigen Jahren ein paar jüdische Bildhauer von Profil hervorgekommen. Die Klasse steht bekanntlich unter Leitung von Professor Anton Hanak. Sein schöpferisches Genie will hier nicht näher erörtert werden, wohl aber seine ebenso eigenartige und kraftvolle Begabung als Lehrer. Sie ist für die Schüler nicht ungefährlich, denn sie teilt sich Jedem, der in ihren Bannkreis gerät, auf eine bezwingende Weise mit. Den Schwachen vernichtet sie, den Mittelmäßigen saugt sie auf, nur der Starke geht geläutert aus dieser Feuerprobe hervor. Von allen anderen Schulen der Bildhauerei, die wir kennen, unterscheidet sich die Schule Hanak durch die selbstlose und gleichmäßige Hingabe des Lehrers, eine Hingabe voll Verständnis und Liebe. Hanak ist jung mit seinen Jüngern,- der ungeheure Idealismus dieses Mannes, der sich in der Statue des >Brennenden Menschen« ein symbolisches Selbst^ porträt errichtet hat, schließtdie Jugend an ihren Meister und erwirkt eine unverbrüchliche innere Gemeinschaft. Hanak kennt keinen anderen Maßstab als den der größeren oder minderen Fähigkeit seiner Schüler, kein besseres Ziel, als zu dem besonderen Kern ihrer noch ruhenden Künstlerschaft vorzudringen. Auch als Lehrer ein Gestalter, müht er sich fürs erste, die jungen Talente aus ihren tragikomischen Ver-= kleidungen, aus dem Mummenschanz der sogenannten Bildung, herauszuschälen und den ursprünglichen, längst verschütteten Quell wieder zum Strömen zu bringen. Diesen Rohstoff der persönlichen und volkstümlichen Veranlagung lenkt er dann in seine Bahn. Das ist der Sinn seiner Lehrerschaft. Und sie hat nicht zuletzt auf dem jüdischen Felde einen Früchte^ segen hervorgebracht wie kaum jemals vorher. Denn sie hat gerade hier, wo es am schwersten war, die mannigfachen, vielhundertjährigen Hüllen der Zivilisation abgestreift und die echte, alte Kultur des Wandervolkes wieder aufsteigen lassen. Von allen Seiten sammeln sich in der Schule Hanak die ersten Gaben einer scheuen jüdischen Bildnerjugend, schon ist es eine stattliche Garbe . . . wie wird die Ernte sein? Das Problem der jüdischen Bildhauerkunst wird hier aufgerollt. Als ihr erstes Beispiel bietet sich der Versuch von Samuel Zimmermann. Unter merkwürdigen Umständen ist Samuel Zimmermann zur Kunst gekommen. Zufall und Notwendigkeit mischen sich in seinem Schicksal und 30