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Das Zelt · 1924-01-01 · Heft 1 (Januar 1924) · p. Seite 22

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Zelt
Volume
1 (1924)
Issue
Heft 1 (Januar 1924)
Date
1924-01-01
Page
Seite 22 (sequence 30)
Language
German
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GESANG AN PALÄSTINA sanft wie ein Seufzer über die Einöde der grenzen^ losen Ebenen. In Tabors Ebenmaß drückt sich die harmonische Lust des vollendeten Schöpfungs^ Werkes aus. Karmel, o Karmel! Deine Reben, der Wald um deine Hütten! Wie bärtiger Mund stößt dein grotten^ durchfurchter Hang dumpfe Wehklage aus über das schweigende Bereich der tief zurüokweichenden Küste Syriens zum Libanon. Das Getier der Urzeit ver^ birgt sich in den Falten von Karmels wehendem Kleid. Karmels Steine lehren den Betrübten die Weisheit uranfänglich verwirrten Sehersinnes. Weither rollen die Wogen an Karmels Hang heran. An Karmels feuchte Hänge klammern sich Muscheln — sie tragen geheimnisvolle Zeichen, von Wenigen erst ergründet. Moabs Gletscher aus Sand! Wann trug Moab die traubenförmigen Büschel blauer Moränen? Von weitem nur durfte ich die Sandberge Moabs erblicken. Grenzen meines Landes, Schutzwälle vor dem drohend Unbekannten. Mit seinen tiefen Furchen wie Runzeln eines erloschenen Gesichtes, nachdenklich zum Land der Menschengläubigkeit geneigt, blickte Moab schon auf die Wanderung der Stämme, die sich vor den Ufern des Toten Meeres zerstreuten. Du Berg Gilboa! Presse deine Felsen zusammen! Geist Josuas! Schleudre den Fels gegen den schleichenden Widersacher, wenn er auf krummem Pfad durch die Ebene kreucht zur nächtlichen Stunde, die stillen Hütten der Arbeiter meines Volkes zu überfallen. Presse die Flanke des Gebirges, daß Steina geröll niedersause, den Pfad verschütte, erschlage den schleichenden Widersacher meines Volkes! Trauben^ hügel um Hebron — alle Farben des zauberhaften Orients glitzern auf in dem Geschmeide des seligen Ortes. Im Brunnen perlt der Schaum des tiefen Wassers. Kristallen rauscht die Quelle aus den Gebeinen der Stammväter. Saras, Rebekkas, Leas Lieblichkeit strömt in dem klaren Brunnen des Hügels der Schönen, el Chalil! Schönheitsmal ist die Stadt unter dem Busen Mamres,- treuer Wächter auf dem Wege zum Schoß der Menschheit, Hebron, bist du, Schönste in Israel! Ölberg, o Berg der Berge — wie oft schritt ich über den Weg, der empor zu deinem Grat sich windet. Aus Achat und Onyxgestein sind deine Wege, steingebettete harte Wege,- unter den heiligen Gedanken des Wanderers wandelt sich niederer Kies zu herrlich glänzendem Gestein. Zwischen Mauern von Edelsteinen führen Wege empor zum Grat, hinter Mauern verbirgt sich unvergängliche Erinnerung. Hart sind deine Pfade, o Ölberg, deine Bäume hell. Rote süße Frucht schillert und schwillt auf deinen schweren Kaktusstauden, süß und leuchtend JOSEF FLOCH WEG NACH JERUSALEM 22

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