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Das Zelt · 1924-01-01 · Heft 1 (Januar 1924) · p. Seite 21

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Zelt
Volume
1 (1924)
Issue
Heft 1 (Januar 1924)
Date
1924-01-01
Page
Seite 21 (sequence 29)
Language
German
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GESANG AN PALÄSTINA VON ARTHUR HOLITSCHER Soßn eines jüdiscßen Kaufmannes in Budapest, geßorenJ86Q, scßrießeine große Anzaßf von Romanen (darunter aucß den jüdiscßen Worauf wartest du?") und Tßeaterstiufien - sein „Gofem" wurde aucß in Wien aufgefüßrt - üßerdies einige sozioCogiscße Vöfäerscßifderungen üßer Amerika, Sowjet* Rußfand, die Wofga und das jüdische Pafästina. (S. Tiscßer, Verfag, Berfin.J Leßt gegeniuä'rtig in Berfin. Kleines Land, glühend unter der Tropensonne, ich habe dich gesehen. Kahl und arm ragt deine Küste aus dem blauen Meere auf. Wo einst Kanaan, Saron, die Gärten, die Haine, die Wälder, wo wogende Wiesen dufteten, tritt der Fuß auf Steingeröll, versinkt er in schwerem Morast. Mühsam ringt der Siedler, der Fellahknecht, der junge starke Erbauer des Landes um jeden Fußbreit Ertrag, um Notdurft des Lebens, kärgliche Frucht. Aber schon sprenkeln farbige Oasen, goldengrün die Orangen, rötlich das Getreide, silbergrau die Eukalypten und die Ölbäume das erwachende Land der Urväter. Du kleines" Land, aus deinen Tiefen stieg der große Adler Gottes auf über die Schollen. Über den Bergen Judäas, über Jerusalems Feste, über den Krippen, den Zelten, den Palästen und den Tempeln plante er, an den ungezählten Höhlengrotten rauschte sein Flügel, wo im Berginnern blindgewordene Einsiedler sidi vor der Welt verborgen hielten — blindgewordene für die Welt, sehend und offenäugig für die Wunder des dunkel verborgenen Willens in den Tiefen. Mit wilden Fittichen kreist Gottes großer Adler über den Bergen, den zerklüfteten, über den zerstörten Feldern. In breitem, schweifendem Flug braust er vom blauen Meer zum bleiernen Toten, vom Sinai zum Libanon entlang, wild weht der Fittich des Unendlichen durch die sonnezitternde Luft, unter der die Quellen lieblich singen. Mein Stodv aus Olivenholz stützt die Last meiner schweren Schritte, wenn ich auf der Ebene, in den Bergen halt mache, den Blick empor zum ungeheuren Vogel gewandt, um seinem geheimnisvollen Flug von Orient zu Okzident zu folgen, von Süd nach Norden, seinen Kreisen höher, höher, bis er eingegangen ist in den glühenden Strahlenkreis der Sonne mir zu Häupten — Gottes Sonne, Mutter der Mythen. Wo bin ich dir nicht begegnet, Adler des Heiligen Landes, wilder Gast der Ewigkeit! Über Zions Burg und Davids Turm sah ich dich fliegen, im Sturm um die Höhen des mystischen Karmel, von Genezareths Flut aufsteigend, nahmst du deinen Weg nordwärts gegen Galiläa, südwärts zur Talsenke des Jordan. Wo hast du dein Nest, in Mizraims Pyramiden- Stadt, in Damaskus Torweg? Gileads und Moabs Bewohner, Schrecken der Jäger Samarias, hoher Geist des Abendpurpurs über dem Ölberg vor dem Erlöschen in Nacht und Wesenlosigkeit! Adler des Menschengeschid«, wo nistet deine Brut? Unwandelbarer Flügel über der Folge versinkender Weltäonen, Taten und Träumen, Aufgang und Niedergang von Königen, Propheten, Aufrichtern und Zertrümmerern der Tempel! Lieblich sind deine Frauen, o Bethlehem und herrischer Stolz ist über die Brauen des bärtigen Scheichs gelagert, der auf Pilgerwegen der Karawane gegen Bershebas Wüstenhügel zieht. Schöner als alle aber bist du, Sohn der ukrainischen Steppe, Chaluz, weit Hergekommener. In dein Land Israel bist du gezogen, gehorsam dem unauslöschliehen Befehl deines alten Blutes, das erneut in Hoffnung und Zeugungskraft: durch deine zukunftsträchtigen Adern braust. Schön bist du, Mädchen Judas, Tochter der fränkischen Stadt, der alten, kleinen, die du verlassen hast, um deinem fernen unbekannten Gefährten in den Zelten Israels Geliebte, Mutter, Gefährtin zu sein. Starke Faust führt den Pflug, zarte Hand pflanzt den Schößling,- wenn am Abend nach dem Arbeitstag starke Hand die zarte berührt, wiegt die alte Erde Urväterlandes in ihrem fruchtbaren Schoß den neuen Erlöser des ewig sehnsüchtigen, ewig hoffenden Volkes. Hermons Kuppe leuchtet von fern her über die schlangengleichen Wege Galiläas. Der schneeige Wipfel des hohen Hermon weht dem schwer* atmenden See Galiläas Kühle zu, sternigen Trost in der brütenden Dämmerung. Tabor, runder Rücken, über den die liebkosende Hand des Ewigen strich — Tabors Welle erhebt sich 21

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