Das Zelt
- Journal
- Das Zelt
- Volume
- 1 (1924)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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DER BERG IN DER WÜSTE MOSE in ihrem Schoß: Lichtgeschöpf, wirst du midi auch lieb haben, wenn ich verwandelt bin? LIANE streichelt ihn: Ich will dich auch als Ibis lieb haben. Ich will dich auch als nettes kleines Krokodil lieb haben. MOSE: Wirst du mich nicht fortstoßen, wenn ich wie ein Aussätziger bin, wie ein Hund, wie ein ebräischer Sklave? LIANE lacht: Du? MOSE: Ja, ich! LIANE: Immer werd' ich dich lieb haben. Immer werd' ich bei dir bleiben. Immer wirst du ein Held sein. MOSE springt auf, reißt Liane jubelnd an sich: Jetzt laß ich dich nicht los, und wenn Hunderttausend über mich kommen! Ich reiß dich auf mein Pferd. Vor mir sitzt du im Sattel. Jetzt werd' ich leben, herrschen! Ich werde Türme bauen. Ich werd' Paläste bauen. Ich werd' ein Feldherr sein! STIMME AHARONS: Hilf uns! Rette uns! Beladene Ebräer keuchen vorbei. Aufseher verfolgt peitschend Aharon. AUFSEHER: Dred<hund, rasch! Bring' die verlorene Zeit ein. Lauf! Sonst werden deine Fußsohlen Beulen bekommen, daß du nie mehr laufen kannst. MOSE hat sich von Liane gelöst und starrt hinunter. LIANE: Was kümmert's uns, wenn sich die Sklaven prügeln? MOSE gibt keine Antwort. AHARON: Ist denn die Stunde noch nicht da? O Herr, vernichte diese Ägypter! AUFSEHER peitschend: Das wirst du büßen! Staub wirst du fressen. Du Hund, in den Hungerturm! MOSE ruft hinunter: Laß' den Mann da los! AUFSEHER: Junger Herr, bekümmere dich um deine Geschäfte. LIANE: Mose, was tust du! AUFSEHER peitschend: Du Schwein, man wird dir die Knochen zerbrechen. MOSE ist hinuntergesprungen: Henkersknecht, laß den Mann da los! AUFSEHER: Herr, ich übe mein Amt. Komm mir nicht nah'. Ich könnte sonst vergessen an deinen vornehmen Rang und Striemen zeichnen in dein Gesicht. MOSE: Da hast du die Striemen! Er erschlägt den Aufseher. AHARON: Mächtig ist unser Gott. Den Retter hat er gesandt. Den Befreier hat er gesandt. Einer aus unserm Volk. Einer wie wir. Vernichtet hat er unsern Bedränger! Ebräer drängen sich geduckt um Mose. Sie küssen sein Kleid, seine Hände, seine Füße. DIE EBRÄER: Der Retter! Der Retter! Der Befreier! Ein ganz alter, blinder Ebräer tastet sich zu Mose. Er ist der Einzige, der aufrecht ist und nicht wie die Andern geduckt. DER ALTE: Ich werd's noch erleben! Wo ist der Befreier? ARD: Warum hat er sich eingemischt? Was will er von uns? DIE EBRÄER: Der Retter, der Befreier, was will er? Was will er? ARD: Ins Unglück will er uns stürzen. Wir werden das büßen. DIE EBRÄER ziehen sich zurück: Wir werden das büßen. Büßen. DER ALTE legt seine zitternden Hände auf Moses Stirn: Befreier, Retter, Gott segne dich! Er wird weggerissen. DIE EBRÄER sich noch mehr zurückziehend: Er hat ihn umgebracht. Wir werden das bezahlen müssen. Wir sind unschuldig. Seine Schuld auf ihn. Mord! Mord! Mord! Haltet den Mörder! LIANE ist im Hintergrund gestanden. Sie geht zu Mose: Mose, was war das? VOLK: Mord! Mord! MOSE sinkt ins Schilf. Priester kommen. Das Volk strömt vor. ERSTER PRIESTER: Gestört habt ihr die heilige Handlung. Frecher Lärm ist ins Heiligtum gedrungen. Was ist gescheh'n? VOLK im weiten Kreis: Er hat ihn umgebracht. Er ist geflohen. PRIESTER: Höre zu, Volk von Ägypten. Merket auf und zittert, denn durch mich spricht Gott! Mörder! Siehst du den Toten vor dir, kalt, starr, gemordet von dir, herausgeschnitten aus dem lebendigen Wachstum, gähnendes Loch, gegraben in das Beseelte. Verflucht sei das Wasser, das du trinkst! Verflucht sei die Erde, die du trittst? Verflucht sei die Luft, die du atmest! Mörder, sei verflucht! Abgehend: Den Toten laßt hier, bis wir wiederkommen. Niemand betrete den befleckten Boden. Weichet von hier! Die Bühne wird leer. MOSE beim Leichnam, Karna und Liane seitwärts. MOSE: Bist du wirklich tot? Deine Hand ist noch warm. Du siehst nicht mehr böse aus. — Bin ich 13