Das Zelt
- Journal
- Das Zelt
- Volume
- 1 (1924)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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WERBUNG SUPRAPORT ÖLGEMÄLDE VIKTOR TISCHLER VON MAX EISLER Als uns vor Jahren der Maler Viktor Tischler innerhalb der von ihm gegründeten Gruppe »Die neue Vereinigung« im französischen Saal desKonzert^ hauses zum erstenmal begegnete, schien er noch durchaus unfertig, mit dem Aufbau des Gerüstes für seine Form beschäftigt. Ein Detailkrämer war er schon damals nicht, er ging aufs Ganze — allere dings noch auf fremden Spuren. Die bedeutungsvolle Tradition der Franzosen seit Cezanne und dann die besten deutschen Anhänger des Expressionismus standen ihm als Helfer zur Seite. Daneben aber kündigte sich auch ein neues Verständnis für die Art und Größe südlicher Altmeister, namentlich Tizians, schon einigermaßen an. Was bei alledem hervorkam, waren vorerst breit und herb gegliederte Flächen, die sich von den ähnlichen Versuchen der Kameraden besonders dadurch unterschieden, daß hier der streng gesonderte Farbfleck die Komposition beherrschte und, wiewohl kaum modelliert, auch in den Raum zu wirken strebte. Die helle und reine Erscheinung des Kolorits unterstützte die Richtung auf das Fresko, das sich diese Malerei als ihr fernes Ziel gestellt zu haben schien. Der junge, heute erst dreiunddreißigjährige Tischler ist aus der Schule von Rumpier hervorgegangen, also aus der Schule eines Kleinmeisters, in dessen Werken sich die farbigen Qualitäten eines Vermeer und eines Chardin auf eine köstliche, alt wienerische Weise verbunden haben. Die Anfänge des Schülers schienen den Lehrer schlechthin zu verleugnen. Trotzdem beruht der besondere Farbsinn, das Rückgrat aller Entwicklungen unseres Künstlers, auf der ersten Pflege durch jenen trefflichen Lehrer. Merkwürdig schnell ist diese Entwicklung vor sich gegangen. Nachdem sich die »Neue Vereinigung« dem »Hagenbund« angeschlossen hatte, geriet auch Tischler in einen lockeren Zusammenhang mit der Zedlitzgasse. Im Vorjahre brachte die Kunsthandlung Würthle eine Auslese seiner Arbeit. Den Eindruck, den sie auf uns machte, haben wir damals folgender^ maßen beschrieben: Nachdem man in früheren Jahren zu verschiedenen Malen Gelegenheit hatte, die ersten selbständigen und damals noch etwas gewalttätigen Versuche Viktor Tischlers in den öffentlichen Ausstellungen zu verfolgen, erschien er jetzt — reifer und ruhiger —