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Das Zelt · 1924-01-01 · Heft 1 (Januar 1924) · p. Seite 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Zelt
Volume
1 (1924)
Issue
Heft 1 (Januar 1924)
Date
1924-01-01
Page
Seite 4 (sequence 11)
Language
German
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JÜDISCHE KUNST Wagschale auf und die Wagschale beginnt zu sinken. Unter der Erde, hinter den Bergen der Finsternis, aus allen Ecken und Enden seines Reiches holt er neue Schätze herbei ... Er muß den Rabbi Levi-Jizchok haben! Er wird ihn als Kesselheizer in der Hölle anstellen. Und er reißt sich die Krone vom Kopf und schleudert sie in die Wagschale. Die Wagschale erzittert und sinkt. Schlecht steht es! Das Paradies hat schon seine ganze Habe geopfert. Zuletzt tritt der Fürsprech vor die Wage und wirft sein Päckchen in die Wagschale. Das Zünglein spürt es gar nicht und zittert nicht einmal . . . Der Teufel verzieht seinen Mund und lächelt und seine Augen brennen vor Siegesfreude. Er legt seine rechte Hand auf Rabbi Levi=Jizchoks Schulter und weist mit der linken auf die Türe zur Hölle . . . Alle geraten in Aufruhr: Rabbi Levi-Jizchok ist verloren . . . Alle schreien und lärmen: Was soll man tun? Was soll man tun? Und der Lärm wächst und schwillt an . . . Er schwillt an und wird plötzlich gespalten. Aus der Höhe erdröhnt eine Stimme. Vom Throne der gött^ liehen Majestät kommt die Stimme. »Ich kaufe ihn!« Es wird still und der Herr aller Welten ruft in die Stille: »Ich gebe mehr! Es steht geschrieben : ,Mein ist die ganze Erde' — ich gebe für Rabbi Levi-Jizchok die Welt!« Finster wurde des Teufels Gesicht. Das erzählte uns der Alte vor dem Mussef. Nun könnt ihr euch selbst ausmalen, wie der Mussef war und was für ein Rosch=Haschono wir hatten! Der Ankläger war verbrannt. Jeder hatte den Freispruch in der Tasche. Rabbi Levi-Jizchok war ausgelöst und das Geheimnis der Stelle: »Der seine Knechte kauft« — enthüllt. Es war die Freude aller Freuden! (Deutsch von Alexander Eliasberg) URIEL BIRNBAUM J. L. PEREZ Im Besitz von Dr. E. F. Finkelstein JÜDISCHE KUNST Was ist jüdische Kunst? Dieses Blatt soll, was schon von seinem ersten Heft aufs nachdrücklichste bekundet wird, zum guten Teil diesem Gegenstande in allen seinen Erscheinungsarten gewidmet sein. Es hat deshalb auch von vornherein einen grundsätzlichen Standpunkt zu dem fraglichen Begriffe der »jüdischen Kunst« nehmen müssen. Aber ihn durch langwierige und zum Schlüsse noch zweifelhafte Theorien festzulegen, daran hat es von Anfang an nicht gedacht. Denn auf diesem Wege ist man bisher nicht zu Lösungen, sondern nur zu Meinungsverschiedenheiten gekommen. Unser Blatt will die noch immer offene Frage auf eine praktische Weise, durch Darstellung, ihrer Antwort zuführen. Es will eine tunlichst große Anzahl von Künstlern — nicht Könnern — jüdischen Stammes, Architekten, Bildhauer, Maler und Kunsu handwerker, in Bild und Wort vorführen. Die Stoffe, die sie gestalten, erscheinen uns gleichgültig. Wir halten uns nur an das Blut und den Geist. Und diese müssen, wenn unsere Künstler frei und triebhaft schaffen, den jüdischen Charakter in der bildenden Kunst einwandfrei manifestieren. Ein künftiger Forscher wird aus den Beiträgen, die wir ihm darbieten, den Begriff der jüdischen Kunst definieren können. Uns genügt es, seinem psychologischen Bemühen eine feste Grundlage und einen neuen, erweiterten Horizont gegeben zu haben. Aber auch allen mitlebenden Kulturfreunden, nicht nur den jüdischen, die ohne Vorurteil nach solchen Erkenntnissen streben, hoffen wir auf dem eingeschlagenen Wege ein wahres und willkommenes Bild von Art und Bedeutung der jüdischen Mit^ arbeit an dem allgemeinen Kunstschaffen zu geben. Das ist hier unser Programm. 4

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