Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1857)
- Date
- 1857-12-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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Z72 Rundschau. Wir sind neugierig, wenn Schanimai, der strenge Gesetzeslchrer, dir jenen Heiden mit dem. Stucke zurecht wieß. über vorliegenden Fall zu entscheiden gehabt hätte, wie er entschieden haben wurde; schwerlich wie Hm Ehrentheil'. — Er erinnert mich wie unwillkürlich an Geigers schöne Brojchüre: ,/Neber den Austritt ans dem Judenthum.^, Es läßt sich ^vohl auf diesem schmalen Räume nicht mehr sagen; man kann nicht mit schärferen Waffen des Geistes kämpfen. Was ich darin vermißte, ist, daß die Gemüthssaite nicht angeschlagen ist. Religion ist aber am Ende doch mehr Angelegenheit des Gemnches. als des Geistes. Keiner übrigens, der Sinn und Verstand-iiß für die Wissenschaft des Judenthuines hat, wird theilnahmlvs bei der Jubelfeier Geigers geblieben sein. Tief;u bedauern ist »S, daß der O^ZIQ N^s? (Gelehrtenneid) bei uns mehr vorhanden ist, als in andern Kreisen. Wie müßte das Jndenthum ucich Innen und nach Anßen dastehen, wenn die wahrhaft herrlichen Kräfte vereinigt da stunden, und nicht Einer gegen den Andern sich erheben möchte. Wohin soll es kommen, wenn Männer, die der Ruhm und Stolz Israels sind, in jüdischen Blättern dem Spotte und Hohne preisgegeben und die Männer der Wissenschaft als Narren und Wahnsinnige verschrieen werden. Doch ich merke, ich bin wieder von meinem Thema abgekommen und will daher wieder einlenken. > In Prag ist znrHebung des hebräischen Wissens eine Talmudthoraschule in's Leben gerufen worden. löruxors Mutantiir: Prag, der Sil) der jüdischen Wissenschaft, muß auf Mittel sinnen, damit die Thora nicht in Vergessenheit gerathe! Wenn nur dieses Mittel ein fruchtbringendes wäre! Es scheint eine eigenthümliche Apathie sich der Geister bemächtigt zu haben. - Aus Ungarn habe ich Ihnen vor Allem zu berichten, daß die Gemeinderathswahlen in diesem Kronlande bevorstehen, und zwar sollen dleseSmal die Vorsteher aus der Wahl hervorgehen und nicht wie die jetzigen Vorsteher von Seite der Behörden eingesetzt werden Es ist jedenfalls im Interesse der Sache, daß einmal Leben und Bewegung in die Verhältnisse komme, damit dieselben nicht ganz versumpfen. Pesth schaut noch immer sehnsüchtig hinaus und erwartet den Mann, der das göttliche Wort verkünden soll. Doch ich irre vielleicht, eS mag die Sehnsucht nicht so außerordentlich sein. — Herr Rabbiner Low in Szegediu gibt eine theologische Monatschrisl heraus. Wir wünschen ihr das beste Gedeihen. Keinesfalls jedoch können wir uns dir Schwierigkeiten verhehlen, die einer derartigen Monatschrift hemmend in den Weg treten: Mahren ist ganz stille nnd ruhig; 55^1 wenn nur bei der Nsnuvlra auch kiwvda wäre. Leider ist Letzteres nicht der Fall. Eine Eigentümlichkeit muß ich hervorheben: Mähren ist dasjenige Krontand, welches in neuester Zeit am wenigsten für das Schulwesen gethan hat; zu« meist bestehen die Verhältnisse, wie sie von Maria Theresia und Joseph II.