Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1857)
- Date
- 1857-12-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3129675-3129778-3129791--2263-3133237- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die jüdische Geschichte. 367 wenden edleren Sinn der Jugend beflügeln, daß dieselbe, wenn sie die herrlichen Männer ihres Stammes, durch den Glan; der Zeitferne noch an Würde und Schönheit gewinnend, vor sich sieht, wenn sie von deren edeln Thann erzählen hört, die zur Nachetferung auffordern, vor Zurücksinken in Gemeinheit und Gott. Vergessenheit bewahrt und zur Erreichung der aufgestellten Muster begeistert werde. Gewiß, unsere Jugend müßte nicht ein Zweig jenes gottgehetligten Volkes sein, wenn sie bei Kennenlernung ihrer Geschichte nicht den Gedanken fassen, nicht zu den, begeisternden Vorsatze kommen sollte, dieses Volkes so würdig zu werden, als ihre Kräfte und Verhältnisse es nur möglich machen. Die angehörten Begebenheiten sollen in ihrer Seele nachklingen, das angeschaute Lebensbild soll edle Empfindungen und Gefühle erwecken, Abscheu vor der Ruchlosigkeit, Sinn für Recht und Wahrheit, Verehrung des Göttlichen erzeugen, die Entschließungen zur That, die edlen Empfindungen zu entschiedener GemüthSrichtung überleiten. Die jüdische Geschichte hebt sohtn das gesunkene Interesse für jüdisches Wesen, Wissen, Wirken und Walten, sie mehrt die Zahl derer, die mit stolzem Hochgefühle bekennen: „Iliri auocki" sich bin von ebräischer Abkunft), die sich als Glieder eines großen Organismus fühlen, die an dem Gesammtleben der Juden regen Antheil nehmen, ihre äußere Besserstellung, wie ihre innere Fortbildung mit Theilnahme verfolgen und im eigenen enge« ren Gemeinde-Verbände treu und eifrig sich erweisen. Endlich lehrt die jüdische Geschichte unserer Jugend : 4. Die Gegenwart, die heutigen Kämpfe der Juden auf religiösem und politischen Gebiete verstehen und würdigen. Alle Parteien behaupten, im Rechte, im Besitze der Wahrheit zu sein. Ein Zurückgehen auf die Vergangenheit, welche unsere-Zustände hervorgerufen, verschafft unS die richtige Ansicht, öffnet und schärft den Blick zur Beurtheilung und Würdigung in Frage stehm'ver oder angefochtener Punkte, und ist also der einzig richtige, einzig zum Ziele führende Weg. auf welchem eine wahre Reform möglich gemacht werden kann. ' „Niemand kann", sagt der große Gcschichtschreiber Luden, „weder die Geschichte seines Volks, noch die Geschichte der Gesammtheit der Völker entbehren, weil nur in der Geschichte eines Volks dessen eigenthümlicher Geist, das bei allem Wechsel der Zeiten Bleibende und Unvertilgbare desselben ebenso erkannt wer» den kann, als das Reinmenschliche, das Bleibende und Unvertilgbare des Menschenlebens unter allen Völkern und Zeiten."