Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1857)
- Date
- 1857-12-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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366 Die jüdische Geschichte. Die Mische Geschichte erwirbt sich aber ihr Bürgerrecht in der, israelitischen Schule noch aus andern Gründen. , Sie erzeugt: 1. Liebe zu Inden und Indentl)um. , Es sind Bande, wie die der Blutsfreundschaft, mit der unö die-jüdische Geschichte an die Bekenner unseres Glaubens knüpft. Durch sie lernen wir unsere Neligionsgenossen lieben, indem wir gewahr werden, wie sie gemeinschaftlich Leid und Freud getragen, wie viele edle Thaten sie geübt, welche edle Werke der Gottesfurcht sie gestiftet, welche schöne Tugenden sie trotz der widrigsten Schicksale bewahrt haben. Wir lernen Israel lieben, wenn wir sehen, wie es mit seinem kindlichen glaubens- und vertrauensvollen Sinn sich jeder göttlichen Verheißung hingibt, die ihm eine heilige . Zukunft in Aussicht stellte jeden Hoffnungsfaden in trüber Mi cht so wacker festhält und der eigenen Roth vergißt, um fremder abzuhelfen. Wir lernen es lieben, selbst wenn wir gegen seine, in hartem Geschicke begründeten Fehler nicht blind bleiben. — Die jüdische Geschichte erzeugt daher: > 2- Achtung vor den Juden und ihrer Religion. Jene tragische Märtyreraufgabe, die sich von der Urgeschichte Israels bis zu seiner gegenwärtigen Geschichte ununterbrochen durchwindet, jene heldenmüthige Hingebung unserer Borfahren für ihre Religion, jene großen Kräfte, die sie überall und sogleich entfalteten, wo und wann deren Entfaltung keine Hemmnisse mehr im Wege standen, jener elastische Geist der jederzeit herrschte, und da, wo er der Wucht der Verhältnisse, unterlag,, sofort wieder mächtig sich erzeugte, wenn das Bleigewicht der Umstände hinweggeräumt wurde; jenes für's Hohe und Heilige begeisternde Streben, wie es noch heute aus den Werken und Institutionen der alten Zeit zu uns spricht: dies Alles muß Jeden> besonders die Jugend, mächtig ^ergreifen und ihr hohe, unauslöschliche Achtung gegen Juden und Judenthum einflößen. Die jüdische Geschichte erweckt deshalb auch ferner: Z. ein edles Selbstgefühl, Begeisterungs- und Glau» benstreue in jedem einzelnen Juden. Selbstverläugnung ^und Bescheidenheit sind sicherlich die schönsten Zierden imMarakter eines Menschen; sie sind aber bei den Juden durch die Wucht der Umstände oft zur Selbsterniedrigung, zur Selbstwegwerfung, ja zur blinden Billigung alles Außerjüdischen ausgeartet. Nur das Studium der Mischen Geschichte kann hier zum Heil- und Schutzmittel dienen. Durch sie soll der Israelit? sich selbst fühlen und schätzen lernen. Dies Selbstgefühl soll den so leicht zu entflam-