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Der israelitische Volkslehrer · 1857-12-01 · Heft 12 (Dezember 1857) · page 19

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Journal
Der israelitische Volkslehrer
Volume
6 (1857)
Issue
Heft 12 (Dezember 1857)
Date
1857-12-01
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Die jüdische Geschichte. 365 Sicher, Hellas und Latium's. Asiens und Amerika's. Cbtna's und der Tartarei Geschichte, ist unseren Schülern und Schülerinnen weit besser bekannt, und ihnen wichtiger und interessanter geworden, als die Geschichte ihres eigenen StammcS und Glaubens. Das soll aber nicht sein, das darf nicht so bleiben, wenn wir eine ihrer selbst sich bewußte Jugend erziehen wollen. Wir sind keineswegs dem eifrigen Studium der allgemeinen Geschichte entgegen; unsere Jugend mag die Helden alle kennen, die mit kräftiger Faust kiihne Schlachten geschlagen und auf selbst geschaffenen Leichenhügeln das Piedestal ihrer Größe fanden; sie mag die Weisen dieser Weit kennen, die Helden in Wort nnd Schrift, deren Ruf ertönte von einem Ende der Welt bis zum andern; auch die Fürsten soll sie kennen lernen, wie sie ihre Relcke gründeten nnd erweiterten, wie sie gewonnen und verloren und die errungenen Kleinodien ihren Erben hinterließen oder verpraßten, und bald Volkswohl bald Volksweh verbreiteten — daS Alles mag sie hören und zu Nutz und Frommen lernen. Aber auch die jüdischen Helden soll sie kennen lernen, die für Gott und Mitbrüder Kerker und Folter erduldeten. Gut und Blut opferten und auf Scheiterhaufen und Blutgerüsten den Weg zu Gott suchten und fanden; die jüdischen Weisen auch sollen ihr vorgeführt werden, die ihren schönsten Ruhm in Selbstverläugnung und Demuth, in Gottesfurcht und in Werken der Liebe suchten, die mit. dem Glänze des Wissens das segensvolle Feuer edler Handlungen einten; sie soll die Männer alle kennen lernen, die ohne weltliche Macht das Kleinod des Gesetzes wahrten, für dessen unversehrten Besitz kämpften und stritten, duldeten und litten, um es voll und rein ihren Nachkommen zu vererben. - Fordern mithin die allgemeinen Geschichtökenntnisse zu ihrer Ergänzung auch die der jüdischen, so fragen wir weiter. Warum begnügen wir uns mit einer mangelhaften, halben Geschichte der Israeliten? Aus welchem Grunde prägen-wir die biblische Geschichte ein und halten die jüdische ferne? Man läßt die Iugendgeschichte des jüdischen Volks von den Kindern durchwandern, und wo wir die Juden einem entscheidenden Schicksale entgegen gehen sehen, brechen'wir auf einmal ab. lassen wir plötzlich den Vorhang fallen! Wir -wissen ja, daß das Wirken einer gütigen Vorsehung für Israel mitder-Zerstörung Jerusalems nicht plötzlich aufgehört und daß die biblische Geschichte durch die nachbiblische in manchen Punkten erst recht klar und begreiflich wird, so daß sie auS diesem Gninde schon nicht übergangen werden darf. 29»

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