Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1857)
- Date
- 1857-12-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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364, Die jüdische Geschichte. Der Mische Geschichtsunterricht befriedigt: 1. Die Sehnsucht nach der Kenntniß der Vergangenheit der Voreltern) die jüdische Geschichte liegt darin dem Interesse der jüdischen Kinder näher als die Weltgeschichte, ihre Kenntniß ist ihm eine Ehrensache. Die Schicksale seiner Glaubens- und Stammsgenossen zu kennen, ist keinem Menschen gleichgültig. Ein innerer Drang ringt nach Klarheit in der Kenntniß des Atterthums unserer Voraltern. Wer die Geschichte seines Stammes nicht kennt, der entbehrt dieselbe Freude im Großen, die der Mensch im Kleinen entbehrt, der seine Eltern nicht kennt. Jeder Jude findet sich in der jüdischen Geschichte selbst gezeichnet; das von dieser vorgeführte Leben und Wirken der Altvordern steht in innigster Verbindung mit seinem eigenen Leben und Wirken, weil Alles durch denselben Geist getrieben wird, von dem ja jedem Einzelnen von unS etwas inne wohnt. Unsere Jugend lernt aber die Bedeutung der Geschichte ihres Stammes und ihres Glaubens nur zu spät kennen und erkennen; sie wird gewöhnlich nur zufallig und spät auf merkwürdige jüdische Männer der Vorzeit, auf die Erlebnisse ihrer Voreltern, auf so manche schöne Einrichtung derselben aufmerksam gemacht; frühzeitig genug aber wird sie in das fremde Alterthum eingeführt, muß das alte Griechenland und Italien durchwandern: da staunet sie bei den Ruinen von Troja, bewundert die Helden der Vorwelt z aber die edlen Männer ihres Glaubens, aber die merkwürdigsten Schicksale ihrer Voraltern, wie sie gelebt für heilige Zwecke und gewirkt haben mit großer frommer Selbstaufopferung, lernt sie selten oder gar nicht kennen und würdigen. Auch versäumt man nicht unserer Jugend das große Weltgebäude zu erklären; man führt sie in die Goldminen von Peru, in die Salzbergwerke von Wielizka, an den feuerspeienden Vesuv hin— wo aber die Wiege ihrer Vorsahren stand, wo unsere Glaubensgenossen ein freudiges und trübes Loos gefunden, dassoll ihnen fremd bleiben! Ihre Augen sollen fast immer nach auswärtigen Dingen gerichtet sein, und das in seiner Art Große, Schöne und Herrliche, das die eigenen Ahnen gegründet und aufrecht erhalten, soll kein Interesse für sie haben? —Selbst zur Bildung des Grschmackö und des Styis trägt man Ereignisse und Schilderungen aus der Vorzeit Indiens und Perstens, Rom's und Griechenlands vor, warum nicht auch aus der Israels? Finden nicht auch Dichter und Redner reichen Stoff in der Geschichte unserS Glaubens?