Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1857)
- Date
- 1857-12-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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362 Die jüdische Geschichte. Daß die biblische Geschichte viel einfacher, faßlicher M behaltlicher sei, ist nicht wahr. Nur die Form, in der sie gegenwärtig vorgetragen-wird, bewirkt ihre größere Anschaulichkeit und Eindringlichkeit; auch sie berichtet ja von fremden Zustän. den, Sitten und Bestrebungen, von inneren und Äußern Kämpfen; von. Personen und Thatsachen, die außerhalb des kindlichen Erfahrungskrelses liegen; man suche daher nur auch die nachbibl i sch e Geschichte in lebensvolle' interessante Darstellung zu kleiden, um auch ihr die Eigenschaft der Einfachheit, Anschaulichkeit und Faßlichkeit zu verleihen. Was aber den Einwand gegen de» Inhalt der jüdischen Geschichte betrifft, so werden wir ihn weiter unten näher beleuchten. . > > > . > /. Das Vorurtheil spricht weiter -. 2. „Es fehlt unserer Schule an Zeit für diesen Unterrichtszweig." Hierauf ist zu erwiedern, daß bei dem freilich notorisch vorhandenen Zeitmangel in der israelitischen Schule zuvor die Vortrage zu lösen sei, welchem Gegenstande die dispoible Zeit zu men und welchem sie am leichtesten zu entziehen sei; es ist zu bedenken, daß die Wichtigkeit des Gegenstandes die Vermehrung, Verminderung oder gänzliche Entziehung der Schulzeit bedingt. Wir geben zu, nicht alles Nützliche und Gute kann Schulgegenständ werden, wir geben aber nicht zu, daß das einen Aerwerfungsgrund der jüdischen Geschichte abgebe, denn wenn, was am leichtesten und nachhaltigsten für die Zwecke d er Retigton d a.s j ug en d li ch e G e m üth zu begeisteril vermag, den ersten Anspruch zur Aufnahme in die Reihe der Lehrzweige hat, so wird die Mische Geschichte vor vielen anderen Disclplinen zu bevorzugen sein. Oft läßt sich auch bei gehöriger Benutzung der Zeit und bei zweckmäßiger Verwendung derselben ein Stündchen ohne Benachtheiligung der bisherigen Fächer disponibel machen. Wo indessen die Zeit so sparsam zugemessen, daß sie keine ^besondere Stunde für den beregten Neuling/ dessen vol? len Werth mqn ,nvch bezweifelt, gewähren kmur, da läßt sich das Wesentlichste der jüdischen Geschichte mit den übrigen DiScipltnen der aKgemeinen Geschichte, der Geographie, dem Lesen (wie ich Sei meinem Lesebuche für Oberklassen, Bädecker in Essen, gethan), verbinden. Es ist sogar eiue Verknüpfung mit der biblischen Geschichte leicht möglich. Die Egyptische Sclaverei läßt z. B. an die spätem Unterdrückungen, Befreiung der Juden erinnern, der Aufenthalt in Kanaan und die Bebauung der Felder daselbst gibt Veranlassung, von den spä'tern Erwerbszweigen der