Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 11 (November 1857)
- Date
- 1857-11-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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m Israel. 317 in einem eitelen Titel, oder in einer Kinderktapper, die man Orden nennt, zu suchen." „Und doch nennt man uns", antwortete ich: „Leichtsinnige, eitle Geschöpfe." „Das sind die Talmudisten, die diese Meinung aussprechen", sagte eine meiner Freundinnen. „Diese galanten Herren nehmen keinen Anstand, die Unwissenheit unseres Geschlechts zu befördern; sie haben als feste Regel: „Wer feine Tochter die Tora (das Gesetz) lehrt, der lehrt sie etwas Unwürdiges!" Der Rabbiner wurde ernst und sprach nach einer Weile: „Allerdmgs, sagten dies die Talmudisten; allein sie werden hier, wie sonst sehr oft, ganz mißverstanden, denn wer die Schriften unserer Gefetzlehrer kennt, der weiß wie sehr sie die höchste Achtung für das weibliche Geschlecht allenthalben empfehlen. Sie haben zum Grundsatz: .. Ehr et d ie Frauen, auf daß es euch wohl ergehe." „Was meinten sie aber wirklich, Herr Rabbiner!" versetzte meine Freundin, „mit dem mehr als unhöflichen Satze: „Wer seine Tochter die Tora lehrt, der lehrt sie et-was Unwürdiges!" „Nichts anders, Madame!" erwiederte Andras: „als wer seiner Tochter den Kopf mit dem schweren Studium der Tora anfüllt, sie etwas für den w er blechen B er u f ganz Unpassendes lehrt. In diesem Sinne sagten sie auch: „Der Frau geziemt keine andere Weisheit als der Spinnrocken", denn die gelehrten Frauen erfüllen selten ihren Beruf als Hausfrauen. Doch waren diese Grundsätze nicht allgemein, und es gab zu allen Zeiten Frauen in Israel, die sich sowohl in der Tora als in den Wissenschaften ausgezeichnet habe::." Meine Freundin erhob sich bei diesen Worten Andras', mit. von einem edlen Eifer gerötheten Angesichte. ,,O Herr Rabbiner!" rief sie; „bitte, nennen Sie uns diese seltenen Frauen! Ich glaubte immer, daß das jüdische Weib, als ein so geringfügiges Wesen betrachtet, sich nie mit höherer Wissenschast beschästigen konnte." „Wohlan, meine liebenswürdigen Damen!" sagte der gute Rabbiner; „der Abend ist schön. Wir mögen seiner nicht froher