Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 11 (November 1857)
- Date
- 1857-11-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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des Äudeuthums zc. 315 Worten N (Ach, Gott) liegt die Negation des in unfern Tagen als Liebltngskind bevorzugten Satzes: „man müsse das Güte um des Guten, oder der Humanität willen thun". — Daß aber die Religion Israels die Humanitätsidee nicht stiefmütterlich behandle, sondern sie im vollen Maaße zu würdigen verstehe, weiß wohl jeder, der mit ihrem Inhalte bekannt ist und ihn nicht mit Absicht einseitig erfaßt. Eine Religion, die nicht nur Humanität lehrt, sondern Institutionen schafft, ^'1 NV'VW (Erlaß- und Jubeljahr) in welchen sie verwirklicht erscheint; eine Religion, die an ihrem höchsten' und heiligsten Feiertag, am Ol' (Versöhnungstag) nicht nur den Cultus der Gottesidee für die Reltgionsgemeinde und die Individuen, sondern auch den Cultus der Humanitätsidee durch Verkündigung der Entlassung aus Knechtesdienst und des Austritts aus Armuth anordnet und gebietet (3. B. M. Cap. 25. V. 9, 10.); eine Religion, aus deren Grundlagen heraus die Propheten ihre für Humanismus begeisterten und zum Humanismus begeisternden Worte ertönen lassen — eine solche Religion hat der Hmnanitätsidee ihren gebührenden Platz in dem Bewußtsein der Menschen auf eine würdige uud entsprechende Weise angewiesen. So sehr aber auch daS Iudenthum die Humanitätsidee würdigt, so ist doch für den Cultus der Gottesidee außerhalb jener Idee Sorge getragen; in ihm lehnen sich religiöse Feier- und Festtage an keine Persönlichkeit oder geschichtliche Thatsache, aus welchen die Superioritat des Humanismus über die Gottesidee durchschimmerte oder durchränge. Für den Cultus der Gottesidee gegen eine ihrer gefährlichsten Rivalinnen, die Hmnanitätsidee, muß daher das Judenthum in die Schranken treten, und hierin muß es eine seiner wichtigsten Aufgaben schon in der Gegenwart, noch mehr aber in der Zukunft erkennen. Darum schließt auch der zweite Jesaias, in welchem der israelitische Geist seine höchste Entfaltung erreicht und wahre Triumphe feiert, mit den Worten: „und es geschieht, je von Neumond zu Neumond uno je von Sabbat zu Sabbat wird kommen alles Fleisch sich vor mir zu bücken, spricht der Ewige;" (Jes. 66, 23.) v. h., nach der tiefem Bedeutung, der CultuS der GottheitS-