Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 11 (November 1857)
- Date
- 1857-11-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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314 Der Beruf tlgen Materialismus sich einigermaßen schützen, sondern auch in solchen Kreisen, welche die Gottheitsidee an und für sich nicht negiren, aber diese nur als einen Punkt in der menschlichen Akenntniß auffassen, der nicht nach einer besonderen Darstellimg streben müsse, weil eben der Cultus der Humanitätsidee, nicht aber der Cultus der Gottheitsidee, getrennt von Humanismus, praktisch in der Erscheinungswelt einen entsprechenden Ausdruck verlange. — Die Gottheitstdee erscheint also in der bezeichneten Anschauungsweise mehr als dienend der Humanitätsidee; ja, sowie im historischen Chrtstenthnme die Gottheit der Menschheit zu Liebe sich zum Opfer brachte, wird tn unfern Tagen die Gottheitstdee der Humanität oft geradezu zum Opfer gebracht. Die Humanitätsidee, wie sie in unfern Tagen in großen, mittelmäßigen und kleinen Geistern sich in den Vordergrund drängt, hat zwar noch nicht zur Gottesleugnung, wohl aber nach den Zeichen der Zeit vielfältig zur Gottvergessenheit geführt; letztere aber ist schon an und für sich eine halbe Gottesleugnung und führt in ihrem Fortgänge mit Notwendigkeit zu derselben. Gegen die Ueberhebung nun der Humanitätsidee, die, sich selbst als das Höchste im menschlichen Bewußtsein und in dem aus demselben fließenden praktischen Leben setzend, den Cultus der GottheitSidee zu verschlingen droht, kann und soll das Judenthum ankämpfen. Denn in ihm ist wedereine Fundamentallehre, eine Institution noch ein Ausspruch vorhanden, woraus der Humanismus seine Supenorität über die Gottesidee herzuleiten vermag. In ihm ist die Gottheitsidee als das Erhabenste und Heiligste fürs Leben, für Gesinnung und That hingestellt/ und der Cultus derselben in Worten und Werken erscheint daher auch als das Höchste und Erhabenste in der Religion. Selbst dem („liebe deinen Nebemnenschen, wie dich selbst") sind.die Worte N („Ich, Gott!") hinzugefügt, als sollte dieses Wort providentiell der Anmaßung der Humanitätsidee entgegentreten! diese hat nämlich im Iudenthum nur dann ihren vollen Werth, wenn sie sich neben der Gottheitsidee (N oder in ihrer Verwirklichung als Ausfluß derselben geltend macht. In den