Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 11 (November 1857)
- Date
- 1857-11-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3129675-3129778-3129790--2208-3133181- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
des Judenthums :c,. 313 Menschheit vöttig eins wurde und durch den Glauben an die Wirklichkeit dieser Tatsache immerfort mit der Menschheit eins bleibe. Die Gottheit hat also durch einen, in Wirklichkeit statt-- gesundenen Akt die Humanitätsidee bis zu jener Höhe erHoven, daß sie sogar ihr ureignes inneres Wesen jener Idee zum Opfer brachte. — Wenn also die Gottheit die Humanitätsidee so hoch in Ehren gehalten und diese so geheiligt hat, daß sie ihr zu Liebe zil irgend einer Zeit ihr innerstes Wesen aSthat und sich derselben gleichsam selbst zum Opfer brachte, so kann die Humanitätsidee allerdings als das Allerhöchste auf dem Gebiete des höhern menschlichen LebenS erscheinen. Wenn , also der CuttuS der Humanitätsidee, wie es in unseren Tagen den Anschein hat, den Cultiis der Gottheitsidee zu überwältigen, zu verschlingen droht, d. h. wenn der Pflichtenkreis im höhern menschlichen Dasein nur.und einzig und allein in der Verwirklichung des Humanismus erschaut wird, der Cultus der Gottheitsidee d. h. der Ausdruck des unmittelbaren Verhältnisses des Menschen zu Gott nicht in die äußere Erscheinung zu treten braucht, keinerlei Verdollmetschung von innen nach außen bedarf, so ist diese Anschauung nur eine Consequenz der christlichen Anschauung, die eben in einer ihrer Fnndamentallehren die reine Gottesidee der Humanitätsidee zum Opfer fallen sieht und der Superiorität der letztern als einen von Gott selbst ausgegangene» Akt ausspricht. Die mit mehr oder minderer Klarheit und Energie ausgesprochne Meinung, daß die Gottheitsidee keinen Cultus, d. h. keinen unmittelbaren Ausdruck verlange, sondern nur in der Verwirklichung des Humanismus vermittelt werde, ist eben der wohlberechtigte Ausbau einer im historischen Christenthume gegebenen Grundlage. Die Consequenzen einer religiösen Fundamentallehre kommen, wenn auch nach Jahrhunderten, bewußt und unbewußt zur Geltung und die Ueberschätzung der Humanitätsidee ist eben die Folge einer Fundamentallehre im historischen Christenthume. Die Vergötterung der Humanitätsidee kommt aber in unsern Tagen nicht nur in den Kreisen zur Geltung, die auf philosophisch-atheistischem oder pantheistlschem Standpunkte stehen, die eben in der Hervorhebung der Humanitätsidee gegen den gänzlichen Heimfall zum selbstsüch- 25»