Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 11 (November 1857)
- Date
- 1857-11-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3129675-3129778-3129790--2207-3133180- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Z12 Der Beruf lediglich in der Verwirklichung der Humanitätsidee nach allen Richtungen und Beziehungen gegeben; ja auch das VevMtniß des Menschen zu Gott finde in der Verwirklichung der Humanitätsidee seinen Ausdruck und zwar seinen vollkommen erschöpfenden Ausdruck. Daß der Mensch auch solche Verpflichtungen habe, die ein unmittelbares Verhk'ltniß zu Gott ausdrücken, oder mit andern Worten, daß die Religion als Gottesdienst, als Anbetung Gottes sich zu manifestiren habe, wird, weil außerhalb des Humanismus liegend, nicht mehr anerkannt, weit eben die Humanitätsidee die verschlingende Erbin werden soll alles anderweitigen religiösen Lebens. Es hat sich wohl noch keine geschlossene Genossenschaft auf Grundlage eines solchen, mit klaren Worten ausgesprochenen Princips constitutrti allein eine ungeheure Anzahl von Individuen in allen Netigtonskreisen bethätigt durch Schrift, Wort und Leben, daß sie dem erwähnten Grundsatze im vollsten Maaße huldige, und wollen sie in demselben einen dritten Bund oder ein zweites Evangelium erkennen. Man ist im Allgemeinen gewöhnt, die Regungen und Bewegungen in der neueren Zeit auf den verschiedenen höheren Gebieten des menschlichen Daseins dem Wiedercrwachen des wissenschaftlichen Sinnes und dem Eindringen des altrlassischen, griechischen und römischen Geistes zuzuschreiben; allein die Überschätzung der Humanitätsidee ist nach unstrm Daftirhalten ein Erzeugniß des historischen") Christenthums, eine nothwendige Eonsequenz einer zu seinem positiven Inhalt gehörenden Grundlage. Die Erhebung des Stifters der christlichen Religion zum Gotte. welche in der Dreieinigkeitslehre ihren vollsten Ausdruck hat, findet wohl ihre sachgemäße Erklärung darin, daß die Gottheit aus Liebe zur Menschheit sich ihres ureignen Selbstes entäußert habe, aus Liebe zur Menschheit in menschlicher Gestalt unter den Menschen einhergcwandelt sei, und sich durch jene Thatsache mit der Menschheit so identificirt habe, daß sie durch jenen tatsächlichen Akt mit der *) Wir legen einen besonderen Nachdruck auf das Wort „historisch»; denn im Nrchristeiuhume ist das Verhältniß der Göttesidee zur Humanitätsidee richtig erfaßt. Siehe Evang. Matth. 22,'37—40. Marc. 12, 30.