Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 9 (September 1857)
- Date
- 1857-09-01
- Page
- – (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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74 Die weidende Schöpfung. I. Also der Versöhnungstag sei uns ein Versöhner der Gegensätze. Er söhne das Gestern aus mit dem Heute. 1. Gestern Abend standen wir hler im Bewußtsein unserer Schuld ,2">)) '.""N nnd es ward Abend in unserer Seele; jetzt stehen wir hier im Bewußtsein unserer geläuterten Natur; in uns herrscht die Seele, und in der Seele ist herrschend worden die Religion, und in der Religion ist uns leuchtend entgegen, getreten die Liebe. Wir haben im Herzen verziehen alten Imsen, Feinden, kein Groll ist mehr in ihm-. ->j?2 'N'l. so ward es Morgen in unS, INtt Ol', Ein Tag! Die Neue, die gestern unser Herz in die Nacht des Kummers versenkte, und die Gefühle unserer Läuterung, die heute den Strahl der Seligkeit in unsere Brust senden, sie gehören zusammen. Denn aus dem Dunkel, worein die zerknirschte Seele sich hüllet, entsteiget der klare Morgen deö leuchtenden Vorsatzes zum Guten. Ist ja die Reue die Verpuppung, worin der Wurm sich verhüllet, um daraus als ein beflügeltes Wesen sich emporzuschwingen. So wird es an diesem großen Tage Abend in der Seele und dann Morgen, wie der heilige Sänger spricht: MI .'22 „des Abends kehrt Weinen ein. des Morgens Frcudengesang". — Gestern Abend, m. Fr., standen wir, von irdischer Nahrung gekräftigt, heure stehen wir. von geistiger Kost gestärkt, hier vor Gott, und doch gehört Beides zusammen. Die gestrigen Speisen und die heutigen Nahrungsmittel, "IN5>? N^Q 1^ „Beide sind Gaben desselben Hirten". Und so sind Leib und Seele bei einem klugen, d. h. wahrhaft frommen Manne keine feindlichen Gegensätze, er kennt die Bedeutung beider, und er wird durch die Versöhnung beider. LZ'VN^ ein ganzer Mensch. Und warum hast du heute die Speise entbehrt? um Gott ungestört anzugehören. Und warum hast du gestern Speise genommen? um heute im Dienste Gottes auszudauern. Wird dir da nicht klar der höhere Zweck des irdischen Genusses überhaupt? Und das ist'S, was unsere Weisen meinen, wenn sie jener Vorschrift deS Versöhnuugstages: ^1 NM'l^2 curM „am nennten Monat des Abends, vom Abend