Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 9 (September 1857)
- Date
- 1857-09-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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58 Die werdende Schöpfung. Leben widmet, wird von den Selbstsüchtigen als Schwärmer verlacht. In manchen. Gegenden des Morgenlandes hält man dcn Wahnsinnigen für einen Gottbegeisterten; in vielen Städten des Abendlandes aber hält man den Gottbegeisterten für einen Wahnsinnigen. Wer nicht den irdischen Genuß, das sinnliche Vergnügen, das klingende Gold zu seinem Abgölte macht, der gilt als Thor. Während nun die Klugheit ruft: «Wer ein Thor ist," um den Menschen durch ihre Gründe weife zu inachen und auf den rechten Weg zu leiten, ruft auch die Thorheit: „Wer eiu Thor ist," um die Menschen durch ihre Gründe zu bethören und vom rechten Pfade wegzulocken. Warum, sagt die falsche Klugheit, verzichten auf dieses Leben? soviel du genießen kannst, genieße? Kümmere dich nicht um Das, was sie „Tugend" nennen, womit sie sich selbst quälen^ das ist nichts und eitel Thorheit! Laß dir Wohlsein; das heißt klug sein. Und da die Weisheit ihre Dienerinnnen sendet — womit Salomo sehr schön andeuten will, sie will gesucht sein, sie mischt sich nicht unter den großen Haufen — die Thorheit aber selbst geht, das Laster überall selbst einladet, so lassen die, Menschen sich bethören, und sie kehren ein bei der verführerischen Lehrerin, um geheilt zu werden von jener angeblichen Krankheit des Gewissens, um sich zu entäußern jener anerzogenen thörichten Lehren der Sittlichkeit und der Gottesfurcht, die sie von der Schule und vom Elternhaus noch in sich fühlen. Sie wollen wie Adam und Era „klug werden," O^^, irdischen Göttern gleich, und sie holen sich gleich jenen in der verbotenen Frucht den Tod, wie eS heißt: PI' tt^l „sie wissen nicht, daß Schatten dort herumirren, daß das Laster seinen Gästen in den Tiefen des Abgrundes den Tisch decket." (Spr. 9, 18.) — Darum ruft der Prophet aus: ''IN „Wehe denen, die gut machen zu bös und dös zu gut! — Wehe denen, die sich klug dünken in ihren Augen!—Wehe denen, die sich für Helden halten im Wetntrinken!" — tJes. 5, 20—22.)— Und der Prediger (2, 1Z.) sagt: ^71'?V?NN^ N^2ON?v .^Q^ „Der Vortheil der Weisheit vor der Thorheit gleicht dem Vortheile des Lichtes vor der Finsterniß." So klar nämlich muß es dir werden, wie viel mehr werth sei das Gute als das Böse, die Wahrheit als die Lüge, die geistige Freude als der leibliche Genuß, Gott als die falschen Götter — das Alles muß dir so klar werden, als dir in die Augen leuchtet der Vorzug des Lichtes vor der Finsternißdann ist die- Hoffnung vorhanden, daß du dem Lichte nachfolgest, daß deine bessere Natur den Sieg erringe und in dir eine neue