Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 9 (September 1857)
- Date
- 1857-09-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Rundschau. 235 per Israeliten des Landes verzichtet und sie der König!. Israel. Oberkirchenbehörde überwiesen hat. — Die israelitische Kirchengemeinde Stuttgart, die vor 25 Jahren kaum aus 25 selbständigen Gemeindkgenossen bestand, ist jetzt ans 150 Familien angewachsen und immer nvch recrnkirt sie sich aufs Neue durch Zuzügler aus Landgemeinden. Bald werden alle die wärt? ttmbergischm Städte, die im fanatische» Geiste des Mittelalters ihre jüdischen Mitbürger von Hans und Herd verjagt haben, wieder vou Israeliten bewohnt sein. So gleicht die Vorsehung in der Weltgeschichte historische Nnbillc im Laufe der Jahrhunderte wieder aus. Aus der Schweiz. — Im August. — Bei meiner Durchreise habe ich in Bern bei Herrn Prof. Valentin den ehemaligen Vorsteher der hiesigen M. Gemeinde, Herrn Bloch, kennen gelernt, Inhaber eines sehr bedeutenden Kleidermagazin's, — ein wackerer, um die hiesigen Gemeindezustände höchst verdienter Manu. Die hiesigen Juden, an 200 Individuen zählend, sind keine ^chweizerbürger, sondern nnr als Franzosen hier ansässig; sie sind jedoch im Handel nnd Wandel unbeschränkt, und ist es besonders anerkennenswerch, daß man ihnen nicht bloö gestattete, eine Synagoge zu bauen, sondern die christliche Bürgerschaft auch in diese nene Synagoge einen werthvollen silbernen Kelch stiftete unv der Gemeinde auf „liv^K Ka- 5el,2vk" v. I. zum Geschenk machte — gewiß, ein erfreuliches Zeichen einer voruttlieilsfreien, liebevollen Gesinnung, ein schöner Beweis voraugeschrittener Denkungsweise selbst in der Schweiz. — Wir legen auf solche Thatsachen weit mehr Gewicht, als auf alle Emancivationen. Jede Emcmcivation der Inden, mit welcher nicht die Selbstemancipation der Christen von vergefaßten Meinungen und ungerechten Vorurtheilen gegen uns Hand in Hand geht, ist nur von socialer, nicht von sittlicher Bedeutung. Die That derCmaneipation folgt immer der humanen Gesinnung nach; diese aber bleibt leider nur zu oft hinter jener zurück. Wie wir nun hören, ist jene schöne Thai der Berner Bürger zum großen Theil der Hochachtung zuzuschreiben, deren der damalige Vorsteher Herr Bloch sich in Bern in hohen, Grade zu erfreuen hat. — Auch der jetzige Vorsteher, Herr Bamberg er, wurde uns als ein braver und gemeinnütziger Mann von der beste« Seite geschildert. Diese beiden Nameu gesellen sich einem Dritten, dem eines MauneS, welchen die gelehrte Welt mit Verehrung und die Juden mit Stolz den Ihrigen nennen, nämlich dem Namen Valentin. Derselbe hat zu dem erwähnten Synagogenvorale, wenn nicht die Veranlassung, doch den Rath gegeben, er, der keine Gelegenheit vorübergehen läßt, wo er für seine Glaubensgenossen und dadurch für die Menschheit, einen Sieg der Humanität erlangen kann. Möchten die hiesigen Juden solchen Mustern nachahmen! Bern hat durch ben neuen Bund eine ganz andere Bedeutung gewonnen, auch für die Juden. In dem Grave, wie die hiesige Gemeinde in der Cultur vvranschreltel. wird sich die Meinung der höchsten Behörden Und dadurch vielfältig auch die deS Landes immer mehr zum Guten andern. Zu diesem BeHufe aber fehlt eö den hiesigen Juden an einem Hauptagenö; sie entbehren jeder religiösen Leitung und Belehrung. Dasselbe gilt von der größeren Hälfte aller Juden in der'Schweiz, die jetzt bereits über 3000 Seeleu unseres Bekenntnisses zählt. Bern. Genf"), Basel, Zürich, St. Gallen, Neuenburg und a. St. haben jüdische Gemeinden mit größerer und geriugerer Seelen- M, alle sehr wohlhabenden Standes, aber die religiöse Cultur liegt fast allenthalben brach. Es ist auf's Dringeufte zu wünschen, daß hier baldthunlichsi eine Aenderung zum Bessere» eintrete. Auch aus dieser Stadt wurde n»s dnö hingebende Wirken deS dortigen Vorstehers, Hmn Wols, als sehr löblich und anerkemiungöwerth geschildert.