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Der israelitische Volkslehrer · 1857-09-01 · Heft 9 (September 1857) · page 10

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Journal
Der israelitische Volkslehrer
Volume
6 (1857)
Issue
Heft 9 (September 1857)
Date
1857-09-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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282 Deutsch-Amerikanische Skizzen Sinn und bei vielen Juden noch so große Frömmigkeit anzutreffen ist, dennoch im öffentlichen und Gemeindeleben so wenig davon zu verspüren sei, und die zu Ansehen und Vermögen gekommenen Juden, mit Ausnahme des Erbauens von Synagogen, an Jndemhum und dessen Äufrechthaltung in seiner ungetrübten Reinheit nicht denken? beantwortet der Verfasser mit den Worten des Propheten Jechcskel (34, 2—4) und schiebt somit die ganze Schuld auf die verschiedenen Sorten von Reverends— Rabbiner- Reverends, Chasan-NeverendS, Schochet^Nrverends und Schanieß- Reverends —, die alle das arme, ihnen fast blindlings folgende Volk vom rechten Wege ab- und auf Irrwege hinführen. Das ist freilich eine schwere, veranwortungsvolle Anklage, die durch ein paar hingeworfene Phrasen und erzählte Anekdoten nicht begründet erscheint. Wohl mag es unter den verschiedenen Sorten von Neverends in Amerika viel Spreu geben — wie es ja auch in Europa daran nicht fehlt - , allein so ohne Weiteres über den ganzen Stand den Stab zu brechen, ohne das Vervammungsurthcil gründlich und vollständig zu motiviren, (— und noch dazu aus dem Winkel feiger Anonymität, die bei so schweren Anklagen um so verwerflicher und miserabler erscheint Red.), das streitet denn Dvch gegen alle Gesetze der Gerechtigkeit und der Billigkeit. Welcher Billigdenkeiide wird wohl dem Anonymus beistimmen, wenn er (Z. 60) das in der letzten Zeit offen herausgetretene (und von den angesehensten Gemeinden auch bewilligte) Verlangen nach festen, lebenslänglichen Anstellungen „als einen Hauvtbeweis für ven Eigennutz, inr den Müßiggang und-die pfaffischen Herrschtelüste dieser Hirten" erklärt? Inwiefern ein solches Verlangen ganz den Gruudprincipien des Judentums entschieden entgegen sein soll, vermögen wir nicht einzusehen. Gleichwohl sagt der Verfasser aus derselben Seite: „Um sich so viel als möglich Anhang zu verschaffen, over vielmehr um es nach keiner Seite hin .zu verderben, haben die meisten Rabbi-Reverends, namentlich der deutsch-jüdischen Gemeinden, das koschere Schlachten und die tteberwachung desselben gar nicht zu ihren Funktionen herbeigezogen." Nun ja, eben weil sie keine festen Anstellungen haben, dürfen sie es nach keiner Seite hin verderben und muffen sich so viel als möglich Anhang zu verschaffen trachten) wäre hingegen ihre Stellung eine gesicherte und unabhängige, so würden sie auch viel durchgreifender wirken können. Und wird sich wohl ein Mann von -Talcut und Charakter, namentlich in Amerika, wo ihm alle Bahnen offen stehen, einem solchen prekären Stande widmen, wo er der Botmäßigkeit jedes unwissenden, geldstolzen Parnaß unterworfen sein muß? Stünde es wirklich so schlecht

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