Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Volkslehrer · 1857-09-01 · Heft 9 (September 1857) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Volkslehrer
Volume
6 (1857)
Issue
Heft 9 (September 1857)
Date
1857-09-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3129675-3129778-3129788--2131-3133102
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

230 Deutsch-Aineri kanische Skizzen bekannten Verfasser hergefallen. In der ersten Abtheilung, welche 44 Seiten, also nahezu die Hälfte des Büchleins, einnimmt, schildert der Verfasser die Seereise und die Gesellschaft, in welcher er dieselbe gemacht hat, welche Schilderung durchaus nichts Interessantes und Neues darbietet. Daß der Titel „Deutsch-Amerikanische Skizzen" auf diese Abtheilung nicht paßt, muß Jedermann sogleich in die Augen springen. Cr ist aber auch für die zweite Abtheilung nicht gm gewählt, indem, was die Herren I)r. Mayer und Mise mit Neckt bemerken, hier fast ausschließlich von New-Uork die Rede iß, das übrige Amerika aber mit seinen zahlreichen Gemeinden deutscher Juden fast ganz leer ausgeht. Denn aus den wenigen unerheblichen Bemerkungen von S. 80—83, worauf der Verfasser in seiner Erwiederung an Dr. Matter verweist, kann eine deutliche Anschauung oder Erkenntnis) von der Bildung, von der Verfassuug und von dem Leben der deutsch-amerikanischen jüdischen Gemeinden keineswegs gewonnen werden. — Vei der Schilderung der jüdischen Gemeinden New-York'ö wird der portugiesi sch-jüdischen Gemeinde — was streng genommen in deutsch-amerikanische Skizzen gar nicht gehört — ein eigenes und zwar das erste Kapitel angewiesen. Von ihr wird gerühmt, daß sie überall viel Schönheitssinn, Anstand und feine Sitte beobachte. Ihre Gebete, bekanntlich tu reinerem Hebräisch versaßt, werden nach alten, einfachen, erhebenden Melodieen gesungen. „Dieser Nimbus schwindet aber sehr bei näherer Be> trachtung. Da erkennt man bald, wie das meiste noch vorhandene Gute nur traditionell, aber wenig inneres selbstthätiges Leben mehr vorhanden sei." Besonders aber macht der Verfasser der portugiesischen Gemeinde ihre unjndische Lieblosigkeit gegen fremde Glanbensgenossen zum Vorwurf, sowie ihre geringe Theilnahme für fremde Kranke und Unglückliche. Es werden zwar große Summen zu wohlthäligen Zwecken gesammelt, aber nur da, wo es mit Eclat zusammengebracht und eben so oft ziemlich nutzlos wieder verwendet und verschwendet wird. Diese Sitte oder Unsitte wertze auch von den deutschen Juden nachgeahmt. Ein anderer nicht minder schwerer Vorwurf, welcher der portugiesisch-jüdischen Gemeinde gemacht wird, ist die arge Vernachlässigung der Schule, in welcher nichts als ein Vischen Hebräisch-Lesen gelehrt, und wo der kunstgerechte Vortrag der Hastarah (daS Verstehen ves Inhaltes wird nicht verlangt) als das höchste Ziel der Vollkommenheit angesehen wird. Die Portugiesen waren schon öfters Willens, aus Europa irgend eine Celebrität als Reliongslehrer und Prediger zu engagiren. Sonderbar ist der Grund, welcher

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.