Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 8 (August 1857)
- Date
- 1857-08-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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Rundschau. Ä71 Fürth auS Heusenstamm bei Frankfurt, Commis bei den Fabrikanten Allsmann und Gutmann unternahm es in einem satyrischen Gedichte den Arstand des BallcomiteS, NechtSconsulent Kleinknecht, im Göppinger WochkBlatte zu geisseln. Das Gedicht zeichnet den Klcinknecht, als ein'Chamäleon, daö aus dem Maskenbälle sich produzire; macht ihn lächerlich als Reiter, Tänzer und Jäger und bezweifelt seine juridische Befähigung als AdyM, sowie seine allgemeine Bildung. Die Verse find sehr sarkastisch und der Betreffende genau gekennzeichnet. Diese« Gedicht rief große Entrüstung ia Göppingen hervor, so daß einige Hundert angesehene Bürger, im nächsten WM, ben Verfasser deS Gedichtes öffentlich der Verachtung preis gabeu. Am Fastnacht aber suchte man den Verfasser des Gedichtes und die Juden überhaupt durch Maskenzüge zu perstfliren. Diese Retorsionen konntrn es aber doch nicht verhindern, daß Kleinknecht gegen den Verfasser des Gedich' KS. wegen erschwerter Ehrenkränkung wrd gegen den Redaeteur deS Blattes mgen Beihilfe Klage führte. Der Kläger ließ sich durch Rechtsconsulmt Oesterlen, der Beklagte durch A. Becher, bekannt als Nrichsregent, ttrireten. Die Vertheidkgung zielte mehr ans öffentliche Brandmarkung' deS WpMger Judenhasses als auf SchnldloSerklärung des Beklagten hin, der «ur als Jude gehandelt und ausgeschlossen von allen öffeuilichen BetustigungSorten, seinem Unmnthe nur durch Die Presse Luft machen konnte. Becher Imete die Vertheidiguiig mit den Worten ein, daß er bedaure au dein Tage, an welchem er vie ZulassungSbitl der Juden Englands in's Parlament, (freilich jcht vom Oberhaus verworfenem der Zeitung lese, plcudiren zu müssen, weil der Judenhaß in Göppingen die Israeliten von einem Balle ausschließe. Die Seifenblase der Toleranz vom Jahre 1848 sei schnell zerplatzt, die Unduldsamkeit mache sich allenthalben wieder breit. Hätte ja vie K. Regierung schon im Jahre t823 die Juden vollständig.emamipirt, wäre ihr nicht das Mksvorurtheil bindernd in den Weg getreten, Kläger wollte zwar die Ausschließung der Göppinger Israeliten auf deren eigne Rechnung setzen und Vorwurf des Judenhasses von der Stadt Göppingen ablenken, waS ihm aber nicht gelang. Doch wurde der junge Fürth zu 14 Tage FestungS-Arrest und SV fl. Geldbuße, der Redakteur zu S Tagen und 2b fl. Geldbuße verurtheilt.-»- Sl. E. Aus Rheinhessen wird uns folgendes- Actenstück mitgrtheilt: »Betreff: daö Tragen der Amtökleidung der evangelischen Geistlichen von Seiten einzelner Rabbiner ober israelitischer NeligionSlehrer." „Das Großherzogliche Kreisamt Worms an den Großherzoglichen KreiSrabbiner. Großherzogliches Obereonsistorium hat au die Großh. KreiSäniter ein Ausschreiben gerichtet, in welchem bemerkt wird, daß eS iu neuerer Zeit häusig vorgekommeil, daß einzelne Rabbiner oder israelitische Religionölehrer, die für die evangelischen Geistlichen vorgeschriebene Amtskleidung, welche dieser fast vollständig gleich ist, zu tragen sich erlaubt haben. Großh. ObercoMorium hat uns beauftragt, Sie auf das Ungesetzliche dieses Benehmens unter Hinweisung auf die Bestimmung des Art. 77. deö Polizeiitrasgesehes aufmerksam zu machen. Sie wollen dem israelitischen Prediger Levysohn dahler Kenntniß geben ic. (Wenn wir gleich diese Eifersucht um eines »Nockeswillen sehr kleinlich finden, so tritt nichtsdestoweniger das Tedürfniß dringend hervor> daß die jüdischen Rabbiner und Prediger sich i'iber eine entsprechende AnttSkleidnng baldthunlichst einigen sollten. Ned,) Ans der Pfalz. Anfangs August. (CorreSp.)-Ein L?ser Ihrer h^chgeschützten Zeilschrift, seines Berufes ein Lehrer, erlaubt sich hiermit, auf iitie fühlbar werbende Lücke in derselben aufmerksam zu machen. Seit längerer Zeit nämlich vermißt man zum größten Bedauern die homiletlsch-.litur- Zischen Beilagen. Manchem Lehrer sind gerade die Predigten, Skizzen :c.