Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 8 (August 1857)
- Date
- 1857-08-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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L70 Rundschau. tiaen Punkte einen ausdauernden Eifer zugewendet, und dann eine Redak, twnS-Coimnission ernannt, um diese Petita, in klarer Beleuchtung und Mo. tivirung, in einer Bittschrift an Großher;ogl. Staatöregieruug zu bringen. Wir wünschen ihrem Unternehmen den besten Erfolg! — Der Versammlung selbst müssen wir das anerkennende Zeugniß der Bravheit und Gesinnung tüchtigkeit zollen; eS war ihr klar und augenscheinlich nicht um Erla'ngung pecuniärer Vortheile, sondern vorzüglich um Erreichung einer würdigeren Stellung für Schule und Lehrer zuthun. ohne welche ein« gedeihliche Entwickelnng des, für Staar, Gemeinde und Judeuthnm so hoch» wichtigen Instituts der Religionsschule nimmer zu denken ist!--Müa> ten daher auch die Gemeinden und ihre Vorsteher, in ihrem eigenen, wahren und wohlverstandenen Interesse, die billigen und heiligen Wünsche ihm x^rer — von denen wir von Herjen wünschen, daß es keine bloßen ..frommen Wünschesein mögen — selbst unterstützen und durch gerechtes Entgtgenkoin. wen kräftig fordern! - Ein Gemeinde-Vorsteher, Herr David aus Alsheim, wohnte aus Theilnahme der Versammlung bei, was besonders hervorgehoben zu werden verdient. — Die übrigen geladenen Gäste, die Herren Vr. Aub aus Mainz, Dr. Levysohn aus Worms. Dr. Jost und Lehrer Schönhof von hier , sowie der HerauSgeb. d. Bl. haben durch lebhafte Betheiligunz an der Berathung — sowie die Israeliten Offenbach's durch gastliche Bewirthuna, der Herren Lehrer, ihre warme Theilnahme für deren gute Sache an den Tag gelegt, was die Versammlung durch Dankvota anerkannte. — „Die Frage über Gründung eines Lehrer-PensionsfondS, und einer Lehrer- WittwenKasse" (dritter nnd vierter Punkt des Programms) wurde der Eingang erwähnte» Commission zur Begutachtung für die nächste Versamm.- lung übergeben. — Wir wünschen die Wiederholung solcher Versammlungm von Herzen; sie können zur Erweckung eines edlen StrebenS und wechselseitigen FördernS nur heilsam wirken. — L. S. Aus Württemberg. (Corres» — Ein Preßprozeß in Göppingen stellte kürzlich die socialen Zustände dieser Stadt in sehr prägnanter Weife au den Tag, wie das engherzige Spießbürgerthum sich nicht über das Niveau des Mittelalters zu heben versteht, wo es gilt alte religiöse Vorurtheilr gegen Juden nnd Judenthum fallen zu lassen und die bürgerliche Gleichstellung zur Wahrheit im geselligen Umgange zu machen. Was helfen va> pierne Gesetze und Verordnungen, die Negierung und Volksvertretung erlassen, wenn nicht der Bürger dnrchintellektuelle Bildung und durch die Drincipien wahrer Humanität, sie zur Wahrheit macht? — Göppingen, eine Stadt mit 6000 Seelen, hat seit dem Jahre 184S neun jüdische Familien in sei. »er Mitte, deren Häupter Favrikherrn sind, die viele Tausend christliche Arbeiter beschäftigen. Durch die Uebersiedelung der Israeliten nach Göppingen sind die Hauserwerthe bedeutend gestiegen, die Frequenz der Fremden in der Stadt hat bedeutend zugenommen, überhaupt zieht die Bevölkerung oirstr Stadt nur materiellen Nutzen von den dortigen Israeliten. Dabei sind dir iSrael. Firmen überall geachtet und selbst der blasse Neid kann ihre Burgertugenden nicht begeifern. Aber trotz alledem und alledem sind die Juden der Gegenstand persönlicher Neckereien und der angeführte Preßprozeß deckt dieses Nachtstück mangelnder Urbanität schonuugslos auf.— Seit einigen Jahren nämlich werden die Israeliten von einem Ballcomite, daS nur ans Christen besteht, entweder durch beschränktes EmführungSrecht moralisch, oder ganz von der Theilnahme an Bällen und öffentlichen Belustigungen ausgeschlossen. Schon im Jahre ISöb gab dieser Umstand Veranlassung zu unerquicklichen Controversen im Göpvinger Wochenblatte. Bei der heurig» Earnevalszett wiederholten sich nun diese Insulten gegen die jüdische Bevölkerung und ein junger israelitischer, poetisch-begabter junger Mann, Ludwig