Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 8 (August 1857)
- Date
- 1857-08-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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d. Iude»thums u. ChristeuthumS zueiiiandtr. 255 oder zu wollen, mit dem Christenthum immer mehr befreunden; und alödann wird die förmliche Verschmelzung mit demselben nicht mehr schwierig sein. Freilich muß aber auch das kirchliche Christenthum sich seiner konfessionellen Engherzigkeit nnd Aus- Meßlichkeit entäußern und jenem Geiste des wahren Universalismus sich öffnen, aus welchem es hervorgegangen und welcher das köstliche Verma'chtniß Jesu an seine Kirche ist. Dem Christenthum und Jndenthum zugleich kann nur durch Emancipation des letzteren gedient werden; denn dem tatsächlichen Judendruck gegenüber erscheint die Versicherung, daß das Christenthum die Religion der Freiheit, der Humanität und der Liebe sei, als eine Luge. Ich weiß wohl, daß mir dieses offene Bekenntniß, bei der jetzt herrschenden Stimmung der christlichen Bevölkerung gegen die Juden, wenig Freunde erwerben wird; allein dieß kann mich nicht abhalten, meine Ansicht unumwunden auszusprechen und mich durch meine Namensttnterschrift zu ihr zu bekennen." Unsere Leser werden sich gewiß mit uns freuen, aus dem Munde eines Christen so aufgeklärte Gesinnungen zu unseren Gunsten aussprechen zu hören, obwohl sie mit uns das schmerzliche Gemhl lheilen werden, daß selbst ein sonst so vorurtheilsfreier Mann sich doch nicht von dem Vornrtheile loszureißen vermag, es müsse der Strom der reformatorischen Bewegung km jetzigen Jndenthume notwendigerweise in das Christenthum einmünden. Wir fragen den geehrten Herrn Verfasser vor Allem, ist das die Zeichnung der „gegenseitigen Stellung deS Judentums und Christenthums zu einander," in welchem Satze beiden Religionen ihre Selbständigkeit vindicirr wird, wenn am Ende diese Schilderung in das notwendige Aufgehen des einen Theils in den anderen ausläuft? Warum können stch aufgeklärte Christen nicht zu unserem Standpunkte erheben, die wir dem Christenthume seine welthistorische Bedeutung nnd sc in e selbständige Aufgabe zuerkennen, die biblischen Ideen unter den heidnischen Völkern zu verbreiten, und so mit uns den großen Tag vorbereiten zu helfen, „wo der Ewige sein wird einzig und sein Name Einziger," während unsere, selbständige und unveräußerliche Aufgabe ist und bleibt, den Monotheismus rein und ohne 20*