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Der israelitische Volkslehrer · 1857-07-01 · Heft 7 (Juli 1857) · page 22

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Journal
Der israelitische Volkslehrer
Volume
6 (1857)
Issue
Heft 7 (Juli 1857)
Date
1857-07-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
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Wagner. Ltal?Z. die Ittden ' Herr Ltahl diesen großen deutschen Schriftsteller spöttisch nennt!) sondern — einen Latz aus dem neuen Testamente (Rom. 14, 4j;u G-mMhe. Daß Gottes- und Menschenliebe, also weder Dvg. menglaube, noch (5eremonialwesen den Kern der Religion bilde, und wer Gott und Menschen liebt nicht fern sei vom Reiche GotreS, rann stimmte — Iesuö selbst mit — einem Pharisäer uberem, und er verbot deshalb den Schriftgelehrren „weiter zu befragen/' offenbar weil ihm alles Andere minder wichtig erschien, D.is bat aber nicht Bunsen, daS Hai der Apostel Marcus bekundet (12. 28—ZZ). Freilich hat es zu allen Zeiten Theologen gegeben, welche im Gegensatze zu von Bienen, aus den edelsten Blumen und Biüchen Gift M saugen wissen. Wenn man Viesen Herren den Satz zurufti „wer nicht wider mich ist, der ist. für mich," so sind sie flugs mit dem anderen bei der Hand, der allerdings auch tm Evangelium steht: wer nicht für mich ist, der ist wider mich. To kann man, wenn man die entsprechende Gesinnung in sich selber suhlt, aus dem alten wie aus dem neuen Testamente Stellen genug zusammentragen, woraus sich mit einiger Dialektik ein System ganzer, oder — waS noch schlimmer ist, weil inconsc. queuttr — halber Intoleranz bequem heraus deuteln läßt. Es bar im Christenchum wie im Judenthum auch nie an Pfaffen und Finsterlingen gcseblt, denen dieses Geschäft ganz besondere Freude machre. Wer aber, unter Katholiken und Protestanten, unter Christen und Juden, den Geist aus dem Buchstaben herauszufinden weiß, und ein Herz in der Brust fühlt; wer als Israelit mit MoseS (Deuteron:. 30, 11—15) spricht: „die Lehre (Gotttc) ist dir nicht verborgen, noch zu fern. Sie ist nicht im Himmel, daß du sprechen mögest, wer steigt hinauf und holt sie. Sie ist auch nicht jenseit des Meeres, daß du sagen könntest, wer gehl hinüber und holt sie. sondernste ist dir sehr nahe, in Deinem Munde, Deinem Herzen, daß du sie erfüllest;" oder mit Jeremias (7, 4—5) auöruft: „verlaßt euch nicht auf die Lügenworte, indem ihr sprechet: Tempel Gottes, Tempel Gottes! sondern handelt recht in Wort und That, übt Gerechtigkeit zwischen Menschen und Nebenmenschen;" wer, als Christ, mit Jesus nicht sowohl darauf Werth legt, daß man sage: „Herr, Herr!" nls „daß ein guter Mensch Gutes hervorbringe auS dem Schatze seines Herzens" (Lucas 6. 45 u. 46); oder mit dm sterbenden Johannes sagt: „Kindlein habt Euch einander lieb" — der halt es mit diesen großen Wahrheiten und Lehren, und überläßt es den Schriftgelehrten, die Stellen, welche denselben zu widersprechen scheinen, damit in Einklang zu bringen.

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