Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1857)
- Date
- 1857-07-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/3129675-3129778-3129786--2056-3133025- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
und di« protestantischen Dissidenten. 223 greifen versucht sein möchten, oder er betrachtet sich selbst als den ^ücer des Glaubens," wo wir denn nicht einsehen können, wie er vkM Schlüsse des heil. Thomas entgehen kann: „es ist viel strafbarer, den Glauben zu verfälschen, wodurch der Seele Leben befördert wnd. als Geld zu fälschen, wodurch nur zeitliches Leben gefördert lrird. Wie kann vicseS also härter bestraft werden alsjeneö?"*) DZr mittelalterliche Staat nahm diese letztere Aufgabe als dze richtige an. und war deöhalb in Wahrheit, nnd mit aller, von keinerlei dialektischeu oder diplomatischen Wenn und Aber verkümmerten Conseqnenz, der Staat „der Intoleranz." Damals war der Begriff des christlichen Staats kein Prokrustesbett. Ä das man durch durch Abhauen oder Strecken hineinzwängt, was nicht hinein passn er war eine unerschütterliche, eherne Mauer. Tsmalö war es eine, selbst von dem Freidenker, dem Kaiser Friedrich II. anerkannte Staatsregel, das?, wie es in der Einleitung zu dessen Kctzcrgesetzcn heißt: „Jede Abweichung vom katholischen Glauben, ein Verbrechen gegen sich selbst, gegen den Nächsten und gea.cn Gott ist, mithin ein Ketzer noch strenger als ein Majestatöverbrecher;n bestrafen ist" (Räumer, Ges. der Hohenstaufen Vd. III. Buch VIII. Hcinptst. 6). Der dogmatisch-christliche Staat war eine volle Wahrheit, die weder der Hinrichtung der Ketzer, noch der Absetzung ungläubiger Fürsten, noch irgend profanen Nücksichien (wozu die nationalen selbstverständlich auch gthören) wich. Das war schrecklich und heut zu Tage wenden sich — so groß ist die verderbliche Wirkung der Cultur, „die Alles jetzt beleckt" — Aller Blicke (doch mir Ausnahme der Äesinnungs-- gei'.offen deS Univers) mit Widerwillen davon ab. Aber eS war eine redliche, tiefwnrzelnde Ueber^eugung nnd ein großer Theil derjenigen, welche Ketzer oder Ungläubige hinschlachteten, war jeden Augenblick bereit, für die Kirche zu sterben, für welche sie NÜi-glm. Sie waren weit entfernt, ihr Christenthnm, wie einen Modeartikel, in verschiedenen Farben schillern zu lassen, und hatten nie den glücklichen Wurf gethan, gerade in d en C o nfeffionen, welche im Lande durch mächtige Fürsten und Staaten vertreten sind, tiefe religiöse Wahrbnt, in den andern gefährliche Jrrthümer zu entdecken**). Wenn nun Herr Wagener sagt (S. 63) 't'twmas i-ecuuäa st-cunäks (Hna?st 15, Art. S). ^) Cardinal Bellaimin M vier Gründe a». warum die Kirche Mar ^men. aber nicht „Lutheraner und andere Ketzer" dulden dürfe. „Erstens w Juden nicht den chrMichen Glauben angenommen, wohl aber die Kchrr. Zweitens bekennen die Juden eine Religion, welche Gvtt wenigstens -Nie gewiss« Zeit, eingesetzt, die Ketzer aber eine Religion, die der